Chronische Hepatitis C: Direkt antivirale Substanzen senken Krebsrisiko und Sterblichkeit


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine prospektive Kohortenstudie mit 9.895 chronisch Hepatitis-C-Infizierten aus Frankreich belegt: Die Behandlung mit direkt antiviral wirkenden Substanzen (DAAS) reduziert das Risiko für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms und die allgemeine Sterblichkeit erheblich. Es ist dies die erste große prospektive Studie, die bei chronisch HCV-Infizierten positive Effekte von DAAS auf die Sterblichkeit nachweist.

Hintergrund

Weltweit sind mehr als 100 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert. In Deutschland wird die Prävalenz der chronischen HCV-Infektion auf 0,3–0,5 % geschätzt. Aus früheren Metaanalysen war bekannt, dass ein dauerhaftes virologisches Ansprechen von Patienten auf eine interferonbasierte Behandlung mit einer Reduktion der Letalität, des Risikos für hepatozelluläre Karzinome (HCC) und für ein terminales Leberversagen assoziiert sind. Ob auch direkt antiviral wirkende Substanzen (DAAS) diese Effekte auf die Sterblichkeit und das HCC-Risiko haben, galt bislang als nicht klar nachgewiesen.

Design

  • prospektive Kohortenstudie an 32 französischen Zentren für Lebererkrankungen
  • Teilnehmer: 10.166 chronisch HCV-Infizierte aus der ANRS CO22 Hepather Kohorte
  • Rekrutierung: zwischen August 2012 und Dezember 2015
  • Therapie: keine antivirale Behandlung oder Kombinationstherapie mit DAAS; HCV-infizierte Patienten, die Interferon plus Ribavirin mit oder ohne DAAS erhielten, waren aus der Analyse ausgeschlossen
  • Alter der Patienten: DAAS-Kohorte durchschnittlich 57 Jahre, Kohorte ohne DAAS: durchschnittlich 54 Jahre
  • medianes follow-up: 33,4 Monate

Hauptergebnisse

Von 9.895 Teilnehmern lagen komplette Datensätze vor. Davon waren 7.344 Teilnehmer mit DAAS behandelt (circa ¾) und 2.551 hatten keine DAAS-Therapie erhalten. Im follow-up von 24 bis 40 Monaten (median: 33,4 Monate) starben 218 Patienten, nämlich 129 behandelte und 89 unbehandelte. Das Risiko zu sterben war in der DAAS-Gruppe nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Fibrose-Score-Wert, Komorbidität und anderen krankheitsrelevanten Variablen um 50 % im Vergleich zur DAAS-nicht-exponierten Gruppe reduziert (Hazard Ratio für Tod: 0,48). Der Unterschied war statistisch signifikant. 258 Studienteilnehmer entwickelten im Beobachtungszeitraum ein HCC. Davon waren 187 Teilnehmer DAAS-behandelt und 71 nicht. Das Risiko für ein HCC war in der DAAS-Kohorte um 34 % im Vergleich zur Gruppe ohne Therapie vermindert (Hazard Ratio für HCC bei DAAS-Therapie: 0,66).

Klinische Bedeutung

Die akute Hepatitis C verläuft in 50–70 % der Infektionen chronisch. Interferonbasierte Therapien sind bei einem relevanten Teil der Behandelten mit lebensqualitätsbeeinträchtigen Nebenwirkungen assoziiert. Die interferonfreie antivirale Therapie mit DAAS ist oft weniger belastend und führt bei der großen Mehrheit der Behandelten zur dauerhaften Viruseradikation. Spätrückfälle sind mit

Finanzierung: INSERM-ANRS und verschiedene Firmen