Chronisch-entzündliche Erkrankungen: kein erhöhtes COVID-19-Risiko durch Zytokin-Hemmer

  • Nature Communications

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die entzündungshemmende Medikamente einnehmen, haben kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus.

Hintergrund

Da viele Patienten mit Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Psoriasis Medikamente erhalten, die in Entzündungsprozesse und damit auch in das Immunsystem eingreifen, bestand Sorge, dass diese Patienten sehr empfindlich auf das neue Corona-Virus reagieren. In der vorliegenden Studie haben Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen die Seroprävalenz von IgG-Antikörpern gegen SARS-CoV-2 bei Patienten mit chronischen immunvermittelten Erkrankungen untersucht, die mit Hemmstoffen inflammatorischer Zytokine behandelt worden sind (etwa Inhibitoren von TNF, IL-6, IL-23, IL-17 und JAK).

Design

Analysiert wurden die Daten von 534 Patienten mit chronischen immunvermittelten Erkrankungen, die Zytokin-Hemmer erhielten, 259 Patienten, die ebenfalls eine immunvermittelte Erkrankung hatten, aber keine Zytokin-Hemmer bekamen, 285 Personen, die an der Therapie von solchen Patienten beteiligt waren (HC: health care), sowie 971 gesunden Personen ohne Tätigkeit im Gesundheitswesen (NHC-Kontroll-Gruppe, non health care).

Hauptergebnisse 

  • IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 fanden die Wissenschaftler bei 2,27 Prozent der Studienteilnehmer der NHC-Kontroll-Gruppe (95%CI 1,42–3,43%).
  • Höher war mit 4,21 Prozent (2,18–7,35%) die alters- und geschlechts-adjustierte Prävalenz bei den Personen, die an der Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen beteiligt waren. 
  • Bei den chronisch Kranken mit Zytokin-Hemmern betrug die Antikörper-Prävalenz dagegen nur 0,75 Prozent (0,20–1,92%). Berechnungen, bei denen Alter und Geschlecht berücksichtigt wurden, ergaben für diese Patienten im Vergleich zur NHC-Kontroll-Gruppe eine um 68 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für einen positiven Antikörper-Befund. 
  • Bei den chronisch Kranken ohne Zytokin-Hemmer ergaben die Berechnungen hingegen eine ähnliche  Wahrscheinlichkeit wie bei den Personen der HC-Gruppe (health care).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse zeigen insgesamt ,dass bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen die Weiterführung der entzündungshemmenden Therapie in Zeiten der Coronavirus-Pandemie im Wesentlichen unbedenklich ist und dass diese Patienten weder aufgrund ihrer Erkrankung noch aufgrund der Therapie zur Risikogruppe für schwere Verläufe der Infektion gehören. 

Finanzierung: Die Studie wurde durch den Sonderforschungsbereich 1181 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF-Projekt MASCARA) und die Schreiber-Stiftung unterstützt.