Chronisch-entzündliche Erkrankungen: Biologika erhöhen langfristig möglicherweise das Melanomrisiko

  • JAMA Dermatol

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen mit Biologika ist mit einem im Vergleich zu chemisch-synthetischen Substanzen erhöhten Melanomrisiko assoziiert. Die Unterschiede sind zwar statistisch nicht signifikant, könnten aber durchaus klinisch relevant sein.

Hintergrund
Biologika wie Inhibitoren des Tumornekrosefaktors (TNF-Inhibitoren) sind im Allgemeinen effektiv gegen chronisch-entzündliche Erkrankungen und werden vor allem dann angewandt, wenn konventionelle chemisch-synthetische Substanzen wie Methotrexat nicht ausreichend wirken. Biologika könnten aber die „immun surveillance“ gegenüber Malignomen beeinträchtigen. Die Hypothese, dass Biologika das Risiko für Tumore erhöhen könnten, gilt besonders für Tumore, die sehr immunogen sind, wie das Melanom. Und die Hypothese betrifft vor allem die Langzeitgabe von Biologika, denn für die Kurzzeitanwendung gilt eine hohe Sicherheit der Substanzen als belegt. In einem systematischen Review mit Metaanalyse ist die Frage der Langzeitsicherheit von Biologika unter dem Aspekt des Melanomrisikos untersucht worden.

Design

  • Datenquellen: Embase, MEDLINE, Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL)
  • Einschlusskriterien für Studien: Klinische Studien, Kohortenstudien und „nested“ Fallkontrollstudien
  • Endpunkte in den Studien: Melanomrisiko bei Patienten mit
    • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED),
    • Psoriasis oder
    • rheumatoider Arthritis, die entweder Biologika wie
      • TNF-Inhibitoren (z. B. Etanercept),
      • CD-28-Hemmer (z. B. Abatacept) oder
      • CD-20-Inhibitoren (z. B. Rituximab) erhielten oder chemisch-synthetische DMARDs wie
      • Methotrexat,
      • Sulfasalazin
      • Hydroxychloroquin oder Kombinationen davon.

Hauptergebnisse

Es wurden 7 Kohortenstudien eingeschlossen mit insgesamt 34.029 Patienten, die Biologika erhalten hatten. 135.370 Patienten waren nie mit Biologika behandelt worden, sondern ausschließlich mit konventionellen chemisch-synthetischen Substanzen. Die Biologika-Therapie war bei CED-Patienten mit einer relativen Erhöhung des Melanomrisikos um 20 % gegenüber konventioneller Behandlung assoziiert (gepooltes relatives Risiko (pRR): 1,20), ebenso bei rheumatoider Arthritis (pRR: 1,20) und bei Psoriasis mit einer relativen Risikoerhöhung um 57 % (pRR: 1,57). Für keine dieser Erkrankungen waren die Differenzen zwischen den Substanzklassen statistisch signifikant.

Klinische Bedeutung
Eine Analyse von Kohortenstudien mit einer breiten Teilnehmerbasis ergibt: Es lässt sich nicht ausschließen, dass Therapien mit Biologika das Risiko für das Melanom im Vergleich zu konventionellen Substanzen in durchaus klinisch relevantem Maße erhöhen, auch wenn die Unterschiede statistisch nicht signifikant waren.

Finanzierung: Stipendium für das Medizinstudium eines der Autoren