CHMP empfiehlt Totimpfstoff gegen Herpes zoster schon ab 18 Jahren


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat jetzt eine Indikationserweiterung des Herpes zoster-Impfstoffs Shingrix® empfohlen. Die Gürtelrose-Vakzine soll künftig schon ab 18 Jahren zugelassen sein, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Herpes zoster-Erkrankung besteht. Bislang ist sie nur bei Erwachsenen ab 50 Jahren indiziert.

Der Herpes zoster ist Folge der Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus, das im Anschluss an die Primärinfektion mit Windpocken latent in Nervenganglien verbleibt. Nach den Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die jährliche Erkrankungsrate im Alter von 50 Jahren bei etwa 6 pro 1000 Personen und steigt bis zum Alter von 90 Jahren auf 13 Fälle pro 1000 an. Die jährliche Inzidenz der Gürtelrose im Kindes- und Jugendalter ist mit 42–220 Erkrankungen pro 100.000 Personen dagegen sehr gering.

Impfung bislang nur für Ältere empfohlen

Der Totimpfstoff Shingrix® ist seit 2018 in Europa gegen Herpes zoster zugelassen und wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut für alle Personen über 60 Jahre sowie für Personen über 50 Jahre empfohlen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Herpes zoster zu erkranken. Neben Personen mit einer schweren Grunderkrankung sind dies auch Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche. Nun empfiehlt die CHMP die Zulassungserweiterung zur Impfung mit dem Gürtelrose-Totimpfstoff zur Prävention von Herpes zoster sowie der postherpetischen Neuralgie bei Personen ab 18 Jahren, bei denen ein erhöhtes Risiko für Herpes zoster vorliegt.

STIKO-Empfehlung bei eingeschränkter Verfügbarkeit

Allerdings könnte laut EMA die Erweiterung der Indikation die knappe Verfügbarkeit des Totimpfstoffs zusätzlich verschärfen. Im Falle eines Lieferengpasses empfiehlt die STIKO, dass Ärzte mit den noch vorhandenen Vakzinen zunächst Patienten impfen, die bereits eine Impfdosis erhalten haben. Kann bei der zweiten Impfung der maximale Abstand von 6 Monaten zur ersten Impfung nicht eingehalten werden, sollte laut STIKO diese sofort nachgeholt werden, wenn der Impfstoff wieder verfügbar ist. Eine verspätete Impfung könne allerdings dazu führen, dass der Impftiter nach Beendigung der Impfserie niedriger ausfällt und die Schutzdauer verringert ist, heißt es im Faktenblatt zur Gürtelrose-Impfung des RKI. Neue Impfserien sollten daher nur begonnen werden, wenn die Gabe der zweiten Impfdosis sichergestellt ist. Von der Verwendung des Lebendimpfstoffs Zostavax® rät die STIKO dagegen dringend ab.

Erster Totimpfstoff gegen Herpes zoster

Shingrix® ist der erste Subunit-Totimpfstoff gegen Herpes zoster, bestehend aus einer Kombination des Antigens Glykoprotein E und dem Adjuvanssystem AS01B. Durch das speziell entwickelte Adjuvans kann die Vakzine eine gezielte Immunantwort auslösen, welche auch bei älteren Menschen eine starke und anhaltende Immunität hervorruft.