Chloroquin plus Azithromycin: trotz lobender Worte eines mächtigen Mannes keine gute Idee


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin sind vielleicht wirksame Therapeutika für COVID-19-Patienten. Die Studienlage dazu ist allerdings recht dünn. Noch dünner ist sie für die Kombination dieser Mittel mit einem Antibiotikum. Diese Kombination bei COVID-19-Patienten könne sogar lebensbedrohlich sein, warnen nun deutsche Kardiologen .

Den alten Glaubenssatz „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“ hat der aktuelle US-Präsident mal wieder eindrucksvoll widerlegt: Nachdem Trump kürzlich aufgrund weniger Studien-Daten über die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin, kombiniert mit Azithromycin, als potenzielle “game changer”  der COVID-19-Pandemie schwadroniert hatte, haben laut „New York Times“  in Arizona ein Mann und seine Frau ein gegen Algen gerichtetes Aquarium-Reinigungsmittel mit Chloroquinphosphat zu sich genommen - in dem Glauben, sich so vor COVID-19 schützen zu können. Der Mann erlitt einen Herzstillstand und ist gestorben, die Frau musste intensivmedizinisch behandelt werden, soll aber inzwischen ausser Lebensgefahr sein. Beide sollen übrigens nicht infiziert gewesen sein. 

Und nach einem Bericht des investigativen Online-Portals „ProPublica“  wie auch der „New York Times“  sollen einige Ärzte in den USA sich persönlich, Familienmitgliedern und Freunden auffallend große Mengen der von Trump angepriesenen Präparate verschrieben haben. 

Kardiologen sowie die Deutsche Herzstiftung/Deutsche Stiftung für Herzforschung warnen nun vor allem vor dem voreiligem Einsatz der Malaria-Mittel in Kombination mit dem Antibiotikum. Ihr Nutzen bei der neuen Infektionskrankheit sei bis heute nicht bewiesen, zudem bestehe ein Risiko durch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen. Auch der renommierte US-Infektiologe und Präsidenten-Berater Professor Anthony Fauci hat sich dazu bereits geäußert: Es gebe bislang nur vereinzelte Berichte über eine Wirksamkeit von Chloroquin, aber keine ernsthaften klinischen Studien. 

Kombitherapie: Studienlage besonders dürftig

„Erst recht gibt es keine ernstzunehmenden Berichte über die Kombinationstherapie von Chloroquin und Azithromycin“, betont auch der Kardiologe und Pharmakologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de). 

Die Kombination beider Wirkstoffe ist außerdem gefährlich: in jeweils seltenen Fällen, häufiger aber bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung,  kann es zu malignen Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) zum Teil mit Todesfolge kommmen. Der Mechanismus, das sogenannte Long-QT-Syndrom (LQT), ist bei beiden Medikamenten ähnlich: eine Verlängerung des QT-Intervalls und eine damit einhergehende elektrische Instabilität des Herzens. Man müsse davon ausgehen, dass sich diese gefährlichen Nebenwirkungen beider Medikamente addierten: „Chloroquin verlängert in höheren Dosen die QT-Zeit deutlich. Gibt man dann Azithromycin, das selbst die QT-Zeit meist nur mäßig verlängert, dazu, kann sich die QT-Zeit noch einmal verlängern“, darauf weist der Heidelberger Kardiologe Prof. Dr. med. Klaus von Olshausen, (ehemaliger Chefarzt der Abteilung für Kardiologie der Asklepios-Klinik Hamburg Altona), hin. Demnach seien die Aussagen des US-Präsidenten unvertretbar und fahrlässig.

Chloroquin-Monotherapie vielleicht ein Option

Nicht so gefährlich sei vermutlich die Chloroquin-Monotherapie. „Bei dieser Therapie ist – trotz der relativ hohen Dosierung – das Risiko tödlicher Herzrhythmusstörungen deutlich geringer als bei einer Kombinationstherapie“, so die Einschätzung von Meinertz. „Es ist zu erwarten, dass hier mögliche günstige Wirkungen die negativen Auswirkungen auf den Herzrhythmus überwiegen.“ In jedem Fall erfordere aber auch hier eine relativ hoch dosierte Therapie mit Chloroquin (zweimal 500 mg täglich) eine Überwachung des EKGs beziehungsweise des Herzrhythmus.

Laut Medienberichten planen Forscher, darunter das Tübinger Institut für Tropenmedizin, Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen bei Menschen zu testen. Mit Verweis auf den Institutsleiter Professor Peter Kremsner wirke das Antimalaria-Medikament im Reagenzglas auch gegen das Virus Sars-CoV-2, so ein dpa-Bericht. Auch seien in China und Italien dem Institutsleiter zufolge Covid-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Unklar sei aber, ob mit Erfolg, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamenten bekommen hätten.