Chirurgie beim Rektum-Karzinom: mehr Operationen, geringere Klinik-Mortalität

  • BJS Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften 

Patienten mit Darmkrebs haben größere Überlebenschancen, wenn sie in Kliniken mit hohen Fallzahlen operiert werden. Dort bekommt man Komplikationen, die nach dem Eingriff auftreten können, offenbar besser in den Griff.

Hintergrund

Kolorektale Karzinome sind in Deutschland die zweit- bis dritthäufigsten Tumoren bei Frauen und bei Männern. Die operative Entfernung ist ein zentraler Bestandteil der Therapie. „Für das Langzeitüberleben nach der Operation sind zwei Aspekte wichtig: Erstens eine onkologisch korrekte Operation und zweitens die richtige Behandlung, falls nach der Operation Komplikationen auftreten“, sagt Privatdozent Dr. Armin Wiegering, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg, in einer Mitteilung der Universität. 

In Deutschland werden aktuell mehr als die Hälfte der Patienten mit Dickdarmkrebs in Krankenhäusern operiert, die nicht die von der Deutschen Krebs-Gesellschaft (DKG) geforderten Mindestfallzahlen (50 pro Jahr) erfüllen. Das Universitätsklinikum Würzburg gehört mit jährlich über 150 Fällen zu den Krankenhäusern mit sehr hohen Fallzahlen. Eine der medizinisch und gesundheitspolitisch zentralen Fragen ist, ob die postoperative Prognose auch von der Zahl der Operationen abhängt. Wiegerings Team ist dieser Frage in einer Studie nachgegangen, die kürzlich veröffentlicht wurde.

Design

In die Studie wurden alle Patienten mit rektalen und rektosigmoidalen Karzinomen einbezogen, die von 2012 bis 2015 in Kliniken in Deutschland operiert wurden. Das waren insgesamt 64.349 Frauen (Anteil 37 Prozent) und Männer. Das mediane Alter betrug 70 Jahre. 

Hauptergebnisse

  • Die Klinik-Sterberate betrug im Mittel 3,9 Prozent. Sie stieg mit dem Alter (Spektrum 0,8 bei maximal 59 alten Patienten bis 7,6 Prozent bei mindestens 75-Jährigen) und war bei Männern etwas größer als bei Frauen (4,0 versus 3,6 Prozent). 
  • In Krankenhäusern, die sehr wenige Operationen bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen vornehmen (im Durchschnitt 6 pro Jahr), war die Sterberate nach dem Eingriff mit 5,3 Prozent doppelt so hoch wie in Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen (im Durchschnitt 53 pro Jahr), deren Sterberate 2,6 Prozent betrug.  Die Berechnungen ergaben eine Odds Ratio von 0,58 (95% CI 0,47 - 0,73; p0,001)
  • Komplikationen waren in allen Kliniken etwa gleich häufig. Es wurde keine Korrelation zwischen der postoperativen Komplikationsrate und der Zahl der jährlich durchgeführten Operationen festgestellt.
  • Patienten in kleinen Häusern starben aber öfter an Komplikationen als Patienten in größeren Kliniken; Beispiele: Sterberaten nach Lungenembolie 15,6 Prozent in den Kliniken mit der größten Zahl an Eingriffen versus 38 Prozent in den Kliniken mit der kleinsten Zahl; Mortalität bei Anastomosen-Leck: 10,9 versus 6,3 Prozent; Mortalität bei Peritonitis/Sepsis: 21,6 versus 15,3 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse stützen nach Angaben der Autoren die Einrichtung von hoch-spezialisierten Zentren für die Rektum-Chirurgie. Die Zertifizierung von solchen Zentren durch die Deutsche Krebs-Gesellschaft könnte dabei ein erster Schritt in Richtung einer verbesserten Versorgung sein; allerdings seien noch große ökonomische, politische und soziale Anstrengungen notwendig.

Limitiert wird die Analyse nach Angaben der Würzburger Chirurgen durch das Fehlen von Informationen zu den individuellen Komplikationsraten der jeweiligen Operateure. Zudem fehlten Daten zu den Tumor-Stadien, zum Langzeit-Überleben der Patienten und zu Wiederaufnahmen. 

Wiegerings Team will solche Analysen nun auch für Magenkarzinome, Lebermetastasen und andere Tumorerkrankungen vornehmen.

Finanzierung: Für die Studie gab es keine finanzielle Unterstützung