Chirurgen mit Nachwuchssorgen

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Deutschland gehen bald die Chirurgen aus – so die Befürchtung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) im Vorfeld zum 135. Chirurgenkongress, der vom 17. bis 20. April in Berlin stattfindet. Eine drohende Rentenwelle und der Nachwuchsmangel sind die Gründe.

 

„Wir haben ein Personalproblem – rund 10.000 Chirurgen erreichen bis 2020 das Rentenalter. Das ist eine Menge Holz“, sagt Prof. Jörg Fuchs, Präsident der DGCH, auf einer Vorab-Pressekonferenz zum Kongress. Die Rentenwelle betrifft etwa die Hälfte aller niedergelassenen und fast jeden dritten stationär Tätigen. 2030 könnte bereits jeder vierte chirurgische Arbeitsplatz unbesetzt sein – so eine Prognose der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers. Zugleich gibt es Probleme bei der Nachwuchsgewinnung. „Wenn es so weiter geht, ist der Medizinstandort Deutschland gefährdet“, so Fuchs weiter. Er plädiert daher für ein Umdenken in der Nachwuchsförderung. Die Vergütung sollte erhöht, Ausbildungs-Budgets nicht zweckentfremdet und wissenschaftliche Förderung vermehrt in den chirurgischen Bereich fließen. Darüber hinaus sei es Aufgabe der Politik, die Tätigkeit von schwangeren Chirurginnen zu regeln und ihnen einen schnelleren Wiedereinstieg nach der Entbindung zu ermöglichen. „Universitäten und Krankenhäuser müssen vor allem an den wichtigen Stellschrauben Work-Life-Balance sowie Forschungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten feilen“, sagt Fuchs. Erst dann sei die Chirurgie gegenüber anderen medizinischen Fächern wieder konkurrenzfähig. Über Zuwanderung könne man die Problematik nicht lösen.

Skeptisch äußert sich Prof. Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der DGHC, zum beschlossenen Koalitionsvertrag. Verbesserungen für die Chirurgie sehe er nicht. Die Aufstockung des Pflegepersonals durch 8.000 weitere Stellen bezeichnet er als „Tropfen auf den heißen Stein“, die Auskoppelung der Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen sei schwierig in der Umsetzung. Eine Zweiklassenmedizin gebe es in Deutschland nicht. Die Politik schenke der Fachgesellschaft zu wenig Gehör. Offenbar gelten die Äußerungen der DGHC als wenig objektiv – so die Kritik Meyers.