Chinesischer Immuncheckpoint-Inhibitor verlängert Überleben beim fortgeschrittenen Ösophagus-Karzinom


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei vergleichbaren Nebenwirkungen mit einer Chemotherapie verlängerte der Immuncheckpoint-Inhibitor Camrelizumab in der Zweitlinientherapie das Überleben von Patienten mit fortgeschrittenen squamösen Karzinomen des Ösophagus um etwa 2 Monate.

Hintergrund

Für Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierten Karzinomen des Oesophagus ist die Prognose nach der Erstbehandlung schlecht, und es stehen nur wenige Optionen zur Verfügung. Hier hat man den in China entwickelten Anti-PD-1-Immun-Checkpoint-Inhibitor Camrelizumab in dieser Indikation getestet.

Design

In der offenen, randomisierten Studie der Phase 3 „ESCORT“, die an 43 chinesischen Kliniken durchgeführt wurde, erhielten 228 Patienten Camrelizumab (200 mg all 2 Wochen), und 220 eine Chemotherapie (Docetaxel 75 mg/m2 alle 3 Wochen, oder Irinotecan 180 mg/m2 alle 2 Wochen). Voraussetzung zur Teilnahme war ein Alter zwischen 18 und 75 Jahren, ein ECOG-Wert von 0 oder 1 und Progression nach oder Intoleranz unter der Erstlinientherapie.

Ergebnisse

  • Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 8,3 Monaten für Camrelizumab und 6,2 Monaten für die Chemotherapie war der primäre Endpunkt des medianen Gesamtüberlebens unter Camrelizumab 8,3 Monate (95%-Konfidenzintervall 6,8 – 9,7), und unter Chemotherapie 6,2 Monate (95%-KI 5,7 – 6,9).
  • Das Chancenverhältnis HR zugunsten von Camrelizumab betrug 0,71 (95%-KI 0,57 – 0,87; p = 0,001).
  • Im Zusammenhang mit der Therapie waren die häufigsten Nebenwirkungen des Schweregrades 3 oder schlimmer für Camrelizumab / Chemotherapie:
    • Anämie 3 % / 5 %
    • abnormale Leberfunktion 2 % /
    • Diarrhoe 1 % / 4 %
  • Schwere Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Behandlung erlitten 16 % der Patienten unter Camrelizumab gegenüber 15 % in der Chemotherapie-Gruppe.
  • Im Zusammenhang mit der Behandlung kam es unter Camrelizumab zu 7 Todesfällen, und unter der Chemotherapie zu 3 Todesfällen.

Klinische Bedeutung

Dieser Studie vorangegangen waren bereits Erfolge mit zwei anderen Immuncheckpoint-Inhibitoren in der gleichen Indikation: Pembrolizumab (KEYNOTE-181) und Nivolumab (Attraction-3). Der Hintergrund der aktuellen Untersuchung dürfte auch in den Kosten dieser Präparate zu finden sein, und in der Tatsache, dass weltweit mehr als die Hälfte der squamösen Ösophagus-Karzinome in China auftreten. Dass nun mit Camrelizumab bei vergleichbaren Nebenwirkungen gegenüber der Chemotherapie eine 2-monatige Verlängerung des Überlebens erreicht wurde, sehen die Autoren als Argument dafür, dass diese Substanz „eine mögliche Option als Standard-Zweitlinientherapie für Patienten mit squamösen Ösophaguskarzinomen in China sein konnte“.

Finanzierung: Jiangsu Hengrui Medicine.