Chemikalien aus Lebensmittelverpackungen sind mit Fettleibigkeit bei Kindern assoziiert

  • Jacobson MH
  • Endrocrine Society
  • 25.07.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

  • Kinder und Jugendliche mit erhöhten Bispenol S (BPS)-Levels im Urin haben eine höheres Risiko für Fettleibigkeit, schwere Fettlebigkeit und abdominelle Fettleibigeit

  • Bei Kindern und Jugendlichen mit erhöhten Bisphenol F (BPF)-Levels ist das Risiko für Übergewicht und abdominelle Fettleibigkeit erhöht.

Hintergrund

Verpackungen für Lebensmittel enthalten häufig Chemikalien wie Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF), die als Ersatzstoffe für Bisphenol A dienen, von dem bekannt ist, dass sie als so genannte endokrine Disuptoren das Hormonsystem verändern und dadurch die Gesundheit schädigen können. Die Auswirkungen von BPS und BPF auf den Organismus wurden bislang nur in wenigen Studien untersucht. Es gibt jedoch Bedenken, dass sich diese ebenfalls auf die endokrinen Systeme auswirken könnten. Die vorliegende Studie untersucht, wie die Belastung mit BPA, PPS und PPF im Zusammenhang mit Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen stehen.

Studiendesign

Im Rahmen der NHANES-Studie wurden die Daten von insgesamt 1831 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 19 Jahren untersucht. Analysiert wurden die Daten aus den Studienzyklen 2013/2014 und 2015/2016. In Urinproben der Kinder wurde per Massenspektrometrie die Konzentration an BPA, BPS und BPF ermittelt. Außerdem wurden Daten zur Körpermasse der Kinder ausgewertet. Dabei galt ein BMI auf der 85. Perzentile als übergewichtig und auf der 95. Perzentile als Fettleibig.

Hauptergebnisse

  • In den Urinproben von 97,5% der Probenden wurde BPA nachgewiesen, in 87,8% BPS und in 55,2% BPF.

  • Die mediane Konzentration der Bisphenole lag bei

    • 1.3 ng/ml für BPA (25. Perzentile=0.7 ng/ml, 75, Perzentile=2.3 ng/ml);

    • 0.4 ng/ml für BPS (25. Perzentile=0.2 ng/ml, 75. Perzentile=0.8 ng/ml);

    • 0.2 ng/ml (25. Perzentile=

  • Die Prävalenz für Fettleibigkeit lag bei den 6–19Jährigen bei 19,6%, für schwere Fettleibikeit bei 12,7%.

  • BPA im Urin war nicht signifikant mit Fettleibigkeit assoziiert (fettleibig vs. nicht fettleibig (1.34 vs. 1.23, p=0.17)

  • BPF war mit Übergewicht assoziiert (p=0.02), jedoch gab es keine signifikante Assoziation mit Fettleibigkeit.

  • Die BPS-Lebels waren bei Probanden mit Fettleibigkeit (0.47 ng/ml vs. 0.35 ng/ml bei nicht fettleibigen Kinder, p

  • Im angepassten Modell war das Risiko für Fettleibigkeit durch BPS erhöht:

    • für allgemeine Fettleibigkeit um 16% (OR=1.16, 95% CI: 1.02, 1.32);

    • für schwere Fettleibigkeit um 18% (OR=1.18, 95% CI: 1.03, 1.35);

    • und für abdominale Fettleibigkeit um 13% (OR=1.13, 95% CI: 1.02, 1.27).

  • War BPF in den Urinproben nachweisbar, so war zwar das Risiko für allgemeine oder schwerwiegende Fettleibigkeit nicht erhöht. Erhöht war jedoch

    • das Risiko für Übergewicht (OR=1.27, 95% CI: 1.06, 1.51);

    • das Risiko für abdominale Fettleibigkeit (OR=1.29, 95% CI: 1.01, 1.64)

Klinische Bedeutung

Diese Studie ist von Bedeutung weil die Exposition gegenüber diesen Chemikalien in den USA sehr verbreitet ist“, sagt Studienautorin Melanie Jacobson, NYU School of Medicine in New York. „Die Verwendung von BPS und BPF nimmt zu weil Hersteller BPA durch diese Chemikalien ersetzen.“ Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass BPS und BPF einen Beitrag zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen leisten. Kinder mit höheren Levels an BPS und BPF im Urin hatten eine höhere Risiko für Fettleibigkeit. „BPA durch ähnliche Chemikalien zu ersetzen, leistet Keinen Beitrag dazu die Schäden für unsere Gesundheit durch die Exposition gegenüber Chemikalien zu mildern, sagt Jacobson.

Limitierung

Die Studie kann keinen causalen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Bisphenolen und dem Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit herstellen.

Finanzierung

National Institutes of Environmental Health Sciences Grants