CCC19 und andere Register helfen bei der Definition der Situation COVID-19/Krebs

  • AACR
  • 22.07.2020

  • Studien – kurz & knapp
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Nicht–hispanische schwarze Patienten mit Krebs und Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen haben ein signifikant erhöhtes Sterberisiko, wenn sie COVID-19 entwickeln. Dies besagen die neuesten Daten aus dem Register des COVID-19 and Cancer Consortium (CCC19).

Die ersten Ergebnisse im CCC19-Register wurden im Rahmen des virtuellen wissenschaftlichen Programms der American Society of Clinical Oncology (ASCO) berichtet und in The Lancet veröffentlicht (Lancet. 2020 Jun 20;395[10241]:1907–18).

Die neuesten Daten wurden bei folgendem virtuellen Meeting der AACR-Konferenz vorgestellt: COVID-19 and Cancer von Brian I. Rini, MD, von der Vanderbilt University, Nashville, Tenn. Gleichzeitig wurden sie in Cancer Discovery (Cancer Discov. 2020 Jul 22;CD-20-0941) veröffentlicht.

Das CCC19-Register wurde im März von einigen wenigen Institutionen gegründet, und zwar als Teil einer „Grundidee ... um detaillierte Daten über Krebspatienten und ihre Ergebnisse bei COVID-19 zu sammeln“, sagte Dr. Rini.

Innerhalb weniger Monate seit seiner Gründung hat das Register mehr als 100 Institutionen weltweit als Partner gewonnen und Daten von mehr als 2.000 Patienten angesammelt.

Die Berichte in The Lancet und bei der ASCO umfassten die Ergebnisse der ersten 928 Patienten und zeigten eine Mortalitätsrate von 13 % sowie eine fünffache Zunahme des Risikos für eine 30-Tages-Mortalität bei Patienten mit COVID-19 und progressiver Krebserkrankung.

Die Daten zeigten zudem ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bei älteren Patienten, Männern, ehemaligen Rauchern, Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand, Patienten mit mehreren Komorbiditäten und Patienten, die mit Hydroxychloroquin und Azithromycin behandelt werden.

Die neuesten Daten

Das CCC19-Register umfasst inzwischen 114 Zentren weltweit, darunter Krebsbehandlungszentren und lokale medizinische Einrichtungen. Bis zum 26. Juni wurden 2.749 Patienten aufgenommen.

Seit Meldung der letzten Daten erhöhte sich die Mortalitätsrate von 13 % auf 16 % (gegenüber 5 % weltweit). Außerdem erreiche das erhöhte Mortalitätsrisiko bei nicht-hispanischen schwarzen Patienten und Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen statistische Signifikanz, sagte Dr. Rini. Er merkte an, dass die Zunahme der Mortalitätsrate größtenteils auf eine intensivere Nachbeobachtung zurückzuführen war.

Eine mechanische Beatmung war bei 12 % der Patienten erforderlich, eine Einweisung auf die Intensivstation bei 16 %, Sauerstoffzufuhr bei 45 % und eine stationäre Behandlung bei 60 %. Das zusammengesetzte Ergebnis aus Tod, schwerer Erkrankung, die stationär behandelt werden musste, Einweisung auf die Intensivstation oder mechanische Beatmung wurde bei 29 % der Patienten erreicht, sagte Dr. Rini.

Die Mortalitätsraten über alle Krebsarten hinweg reichten von 3 % bis 26 %, wobei bei Schilddrüsen- und Brustkrebspatienten die Raten am niedrigsten (3 % bzw. 8 %) und bei Lymphom- und Lungenkrebspatienten am höchsten (22 % bzw. 26 %) seien, sagte Dr. Rini.

Er merkte an, dass auch das TERAVOLT-Register, ein COVID-19-Register für Patienten mit Krebs im Brustraum, eine sehr hohe Mortalitätsrate in dieser Untergruppe von Patienten zeigte.

Die Ergebnisse aus dem TERAVOLT-Register wurden beim virtuellen Meeting I der AACR und beim ASCO-Kongress vorgestellt und in The Lancet veröffentlicht (Lancet Oncol. 2020 Jul;21[7]:914–22). Die jüngsten Ergebnisse zeigten eine Mortalitätsrate von nahezu 36 % und bestätigten die hohe Mortalitätsrate bei Lungenkrebspatienten im CCC19-Register, sagte Dr. Rini.

Erhöhtes Mortalitätsrisiko

Nach Bereinigung um mehrere demografische Merkmale und Krankheitsmerkmale zeigten die aktualisierten CCC19-Daten ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko bei:

  • Älteren Patienten (bereinigte Odds-Ratio [aOR] pro Altersjahrzehnt: 1,52).

  • Männern (aOR: 1,43).

  • Aktiven oder ehemaligen Raucher vs. Personen, die nie geraucht haben (aOR: 1,28).

  • Patienten mit einer Eastern Cooperative Oncology Group-Leistungsbewertung von 1 vs. 0 (aOR: 1,80) oder 2 vs. 0 (aOR: 4,22).

  • Stabilem Krebs vs. Remission (aOR: 1,47).

  • Progressivem Krebs vs. Remission (aOR: 2,96).

  • Nicht-hispanischen schwarzen Patienten vs. weißen Patienten (aOR: 1,56).

  • Malignen hämatologischen Erkrankungen vs. soliden Tumoren (aOR: 1,80).

„Wichtig ist, dass es einige Faktoren gab, die keine statistische Signifikanz erreichten“, sagte Dr. Rini. Dazu zählen: Adipositas (aOR: 1,23), kürzlicher operativer Eingriff (aOR: 1,05), Erhalt einer zytotoxischen Chemotherapie vs. keine Chemotherapie (aOR: 1,14) und Erhalt einer nicht-zytotoxischen Chemotherapie vs. keine Chemotherapie (aOR: 0,75).

„Ich denke, das bestätigt gewissermaßen, dass die Krebsversorgung für diese Patienten fortgesetzt werden kann und auch sollte“, sagte Dr. Rini.

Er merkte jedoch an, dass im TERAVOLT-Register eine Chemotherapie mit oder ohne andere Behandlung einen Risikofaktor für Mortalität bei Lungenkrebspatienten darstellte, verglichen mit keiner Chemotherapie (OR: 1,71), einer Immuntherapie oder einer zielgerichteten Therapie (OR: 1,64).

NCCAP und andere Register

Dr. Rini diskutierte eine Reihe von Registern, die Ergebnisse bei COVID-19-Patienten mit Krebs betrachten, und sagte, die bisherigen Ergebnisse scheinen eine höhere Mortalitätsrate bei Krebspatienten zu bestätigen, insbesondere bei Patienten mit Lungenkrebs.

Es zeichneten sich mehrere Faktoren ab, sowohl krebsbezogene als auch nicht-krebsbezogene, bei denen es einen Zusammenhang mit dem Risiko zu geben scheine, fügte er hinzu.

Die aktuell laufende prospektive National Cancer Institute COVID-19 in Cancer Patients Study (NCCAPS) würde „dringend benötigte longitudinale Daten und vor allem Gewebeproben aus einer großen Kohorte von Patienten mit aktiver Krebserkrankung, die eine Behandlung erhalten, bereitstellen“, sagte Dr. Rini, Leiter des Prüfplans der Studie. Die NCCAPS stelle eine Studie des natürlichen Verlaufs in dieser Population dar, sagte er.

Der geplante Rekrutierungsumfang beträgt etwa 2.000 Patienten, die bis zu 2 Jahre lang zum Zweck der Datenerfassung, zur Durchführung von Bildgebungsuntersuchungen und zur Gewinnung von Forschungsproben nachbeobachtet werden.

Die Verwendung von Proben sei „ein einzigartiger und spezieller Bestandteil dieser Studie“, sagte Dr. Rini und erklärte, dass die Proben im Laufe der Zeit verwendet werden würde, um sie auf die Entwicklung von Antikörpern zu testen, den Verlauf der Entwicklung von Zytokin-Anomalien – insbesondere bei Patienten mit akuterem stationärem Behandlungsverlauf – zu beschreiben sowie um DNA-basierte genomweite Assoziationsstudien durchzuführen und die Koagulationsparameter zu beurteilen.

Die NCCAPS wurde an 546 Prüfzentren gestartet. Mit Stand zum 21. Juni wurden 10 Patienten aufgenommen und in den nächsten Monaten würde ein schneller Zuwachs erwartet, sagte er.

Gypsyamber D’Souza, Ph.D., der Sitzungsmoderator und Epidemiologe an der Johns Hopkins University in Baltimore, betonte die Herausforderung, mit denen die Administratoren des Registers konfrontiert werden, wenn sie versuchen, einen Mittelweg zwischen der Notwendigkeit der Veröffentlichung von Daten und dem Wunsch zu finden, die richtigen Fragen zu stellen und richtige Vergleichsgruppen, Stratifizierung und Analysemethoden festzulegen, insbesondere inmitten einer Krise wie der COVID-19-Pandemie.

Dr. Rini sagte, es sei tatsächlich etwas mühsam gewesen zu entscheiden, welche Informationen im CCC19 veröffentlicht werden sollten und wann, und was ein wichtiges Update ausmacht.

„Es war eine Lernerfahrung, und ehrlich gesagt denke ich, dass wir immer noch am Lernen sind“, sagte er. „Dies war eine wirklich besondere Zeit, was die Dringlichkeit anbelangt, Daten herausbringen und gleichzeitig abwiegen und sicherstellen zu müssen, dass es qualitativ hochwertige Daten sind und dass Antworten auf wirklich wichtige Fragen erhalten werden.“

In der Tat, sollten eine Reihe laufender Register „damit beginnen, gute Daten zu erzeugen, die bei bevorstehenden großen Konferenzen [präsentiert werden]“, sagte Dr. Rini. Er fügte hinzu, diese Daten würden „dabei helfen, verschiedene wichtige Aspekte dieser und verschiedener Hypothesen zusammenzubringen und hoffentlich die klinischen Daten zu ergänzen, die seit kurzem erhalten werden.“

Das CCC19-Register wird vom Vanderbilt-Ingram Cancer Center finanziert. Dr. Rini legte Beziehungen zu Pfizer, MSD, Genentech/Roche, Aveo, AstraZeneca, Bristol-Myers Squibb, Exelixis, Synthorx, Peloton, Compugen, Corvus, Surface Oncology, 3DMedicines, Aravive, Alkermes, Arrowhead und PTC Therapeutics offen. Dr. D'Souza gab keine Konflikte an.

Der Artikel wurde ursprünglich auf MDedge veröffentlicht.