CAR-T-Zelltherapie: Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse erhöht

  • JACC: CardioOncology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Tumor-Patienten, die eine CAR-T-Zelltherapie erhalten, haben einer retrospektiven Daten-Auswertung zufolge ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse. Die spricht für ein Herzkreislauf-Monitoring bei diesen Tumor-Patienten.

Hintergrund

Die CAR-T-Zell-Therapie (chimärer Anti-CD19-Antigenrezeptor) ist eine moderene, vielversprechende Behandlung für Patienten mit hämatologischen Malignom-Erkrankungen wie etwa der ALL und der CLL. Mehrere Arbeitsgruppen haben bereits über kardiovaskuläre Ereignisse im Zusammenhang mit dieser Therapie berichtet. 

Das Ziel der aktuellen Studie war es,bei erwachsenen Patienten mit CAR-T-Zelltherapie  as Auftreten schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) näher zu untersuchen und assoziierte Parameter zu identifizieren.

Design

Bei 145 erwachsenen Patienten, die sich einer CAR-T-Zelltherapie unterzogen, wurden klinische, laborchemische und echokardiographische Basisparameter erhoben. Als schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) galten kardiovaskulärer Tod, symptomatische Herzinsuffizienz, akutes Koronarsyndrom, ischämischer Schlaganfall und De-novo-Herzrhythmusstörungen. Mit MACE verbundenen Basisparameter wurden mithilfe einer Cox-Regressionsanalyse identifiziert. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 456 Tage (Interquartilbereich: 128 bis 1214 Tage).

Hauptergebnisse

  • 31 Patienten hatten insgesamt 41 schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse innerhalb von im Median elf Tagen (Interquartilbereich: 6 bis 151 Tage) nach der Infusion von CAR-T-Zellen. 61 Patienten starben. Das Cytokin-Release-Syndrom (CRS) trat bei 104 Patienten insgesamt 176-mal auf; die mediane Zeit bis zum CRS betrug sechs Tage (Interquartilbereich: 1 bis 8 Tage). 
  • Die Kaplan-Meier-Schätzungen der Wahrscheinlichkeiten für MACE und CRS innerhalb von 30 Tagen betrugen 17 und 53 Prozent.
  • Für die Wahrscheinlichkeit des Überlebens nach einem Jahr ergaben die Berechnungen  (Kaplan-Meier) einen Wert von 71 Prozent.
  • Die multivariable Cox-Regressionsanalyse zeigte, dass der Basis-KreatininWert und ein CRS Grad 3 oder 4 unabhängig voneinander mit MACE assoziiert waren.

Klinische Bedeutung

Da CAR-T-Zelltherapien zunehmend angewendet werden können, ist es wichtig, nicht nur die Vorteile, sondern auch die möglichen Nebenwirkungen zu kennen. Relevant ist zudem die Kenntnis des Zeitpunktes, wann bestimmte Nebenwirkungen auftreten können. Im Gegensatz zu Bestrahlung oder anderen potenziell kardiotoxischen Chemotherapien gibt es derzeit keine Richtlinien für das Screening oder die Überwachung der Herzfunktion von Patienten, die eine CAR-T-Zell-Infusion erhalten. 

Auch den Autoren eines aktuellen Konsensuspapiers zur onkologischen Kardiologie scheint bei Patienten mit dieser Therapie ein fokussiertes kardiales Monitoring indiziert zu sein. Denn obwohl es bislang keine Daten aus größeren multizentrischen Erhebungen gebe und die Inzidenz kardialer Nebenwirkungen bei diesem Therapieansatz noch nicht näher definiert sei, hätten e einzelne onkokardiologische Arbeitsgruppen über kardiale Nebenwirkungen der CAR-T- Zelltherapie berichtet. So sollte in Analogie zu den bekannten Nebenwirkungen wie „cytokine release syndrome“ (CRS) oder „immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome“ (ICANS) „die Entwicklung eines bislang nicht beschriebenen „immune effector cell-associated cardiotoxicity syndrome“ (OCACS) in das potenzielle Nebenwirkungsspektrum einbezogen werden“, so die Autoren des Konsensupapiers.  

Finanzierung: National Heart, Lung, and Blood Institute in den USA