CAR-T-Zellen: Lebenqualität erhöht sich bei Remission, also bei etwa jedem zweiten Patienten

  • BloodAdvances

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für das CAR-T-Zellprodukt Tisagenlecleucel, einem von zwei derzeit in der Europäischen Union zugelassenen CAR-T-Zellprodukten, belegt die zulassungsrelevante JULIET-Studie: Die Lebensqualität verbessert sich anhaltend, wenn Patienten in eine Remission kommen. Diese wird bei jedem zweiten Patient mit rezidiviertem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom erreicht - trotz intensiver Vorbehandlung.

Hintergrund

Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) sprechen im Allgemeinen primär gut auf eine Immun-Chemotherapie an, kurativ ist eine Stammzelltransplantation. Nicht alle Patienten allerdings eignen sich für die Hochdosis-Chemotherapie, Voraussetzung für die Transplantation. Beim Rezidiv ist die Prognose ungünstig. Für schwer behandelbare Malignome wie rezidivierte DLBCL werden CAR-T-Zellen entwickelt, gentherapeutisch veränderte T-Lymphozyten des Patienten, die zusätzlich zu ihren ursprünglichen Rezeptoren artifizielle T-Zellrezeptoren bilden, die sich an die Population der Tumorzellen binden. Bei Tisagenlecleucel ist das Zielmolekül des artifizellen T-Zellrezeptors CD19. Es wird auf B-Lymphozyten exprimiert, deshalb ist Tisagenlecleucel für die Therapie von B-Zellmalignomen entwickelt worden. Im Sommer 2018 erhielt Tisagenlecleucel die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit r/rDCBCL und der rezidivierten akuten lymphatischen B-Zell-Leukämie (B-Zell-ALL) bei Kindern und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre.

Design

  • Die JULIET-Studie ist eine globale Phase-2-Studie mit Beteiligung deutscher Zentren
  • 115 Patienten mit mindestens 2 Vorbehandlungen wegen eines rezidivierten oder refraktären DLBCL (r/r DLBCL) erhielten eine Infusion  gentherapeutisch veränderter, autologer CAR-T-Zellen.
  • Die Patienten waren median 56 Jahre alt, die mediane Beobachtungszeit betrug 19,3 Monate
  • Es wurde mit zwei verschiedenen Messinstrumenten die Lebensqualität evaluiert: mit dem Functional Assessment of Cancer Therapy-Lymphoma (FACT-Lym) und dem Short-Form 36 Health Survey (SF-36). Erhebungszeiträume: vor Therapie und 3, 6, 12 und 18 Monate danach.

Hauptergebnisse

  • Die Gesamtansprechrate (komplette plus partielle Remission ≥ 3 Monate) lag im Beobachtungszeitraum bei 54 %. 40 % der Patienten hatten komplett angesprochen und 14 % partiell.
  • 108 Patienten hatten die Fragen zur Lebensqualität komplett beantwortet und bei 57 von ihnen hatte sich das Tumorvolumen reduziert.
  • Die Basiswerte für die Lebensqualität - es wurden körperliche und soziale Funktionen, Vitalität und seelisches Wohlbefinden evaluiert – waren bei Respondern und Non-Respondern ähnlich.
  • Bei den Respondern aber verbesserte sich die Lebensqualität kontinuierlich über den Erfassungszeitraum. Am ausgeprägtesten waren die Verbesserungen bei der Vitalität, bei körperlichen Funktionen und bei sozialen Kontakten.

Klinische Bedeutung
CAR-T-Zellen haben ein hohes therapeutisches Potenzial. Allerdings können schwere, potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen auftreten, Herstellung und Logistik sind aufwändig und die Behandlung verursacht hohe Kosten. Außerdem ist die Produktionszeit von mehreren Wochen für die Patienten mit Risiken assoziiert, da ihre Tumore oft schnell wachsen. Die Frage, ob sich die Lebensqualität durch die Behandlung verbessern lässt, wie dies für Tisagenlecleucel nun belegt ist, ist daher für die Bewertung der Therapie insgesamt mitentscheidend. „Für Patienten ist es sehr wichtig, nicht nur auf ein längeres Überleben hoffen zu können, sondern auch darauf, die gewonnene Zeit mit Leben füllen zu können“, so die Autoren.

Finanzierung: Novartis