CAR-T-Zellen: Langzeitremissionen bei Patienten mit therapierefraktären B-Zell-Lymphomen


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit therapierefraktären oder mehrfach rezidivierten B-Zell-Lymphomen sprechen auf die CAR-T-Zell-Präparation Tisagenlecleucel zu 52 Prozent an: 40 Prozent erreichen nach median 14 Monaten eine komplette Remission und 12 Prozent eine partielle. Responder haben eine vergleichsweise gute Prognose: 65 Prozent sind auch 12 Monate nach dem Ansprechen noch rückfallfrei.

Hintergrund

Die Behandlung mit CAR-T-Zellen (chimeric antigen receptor T cells) ist ein neuartiges Therapieprinzip: T-Lymphozyten des Patienten werden entnommen und ex vivo mit einem künstlichen T-Zell-Rezeptor ausgestattet. Bei Tisagenlecleucel, einem CAR-T-Zell-Produkt von Novartis, bindet der artifizielle T-Zell-Rezeptor an das Protein CD19 auf B-Lymphozyten. Aus dieser Population gehen diffuse großzellige B-Zell-Lymphome hervor. Sie sind eine der Indikationen, für die Tisagenlecleucel in der EU zugelassen ist. Die artifiziellen T-Zell-Rezeptoren besitzen außer ihrer Antigenbindungsstelle auch kostimulatorische Signalproteine. Über diese können die CAR-T-Zellen unabhängig von HLA-Merkmalen zu Funktionen wie Zytolyse stimuliert werden, wenn sie im Patienten auf ihre Zielstrukturen treffen. In der JULIET-Studie werden Effektivität und Sicherheit von Tisagenlecleucel geprüft (1).

Design

  • Internationale Phase-2-Studie unter Beteiligung deutscher Zentren
  • Teilnehmer: Erwachsene Patienten mit therapierefraktären oder mehrfach rezidivierten diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (r/rDLBCL), 52 Prozent der Gesamtgruppe hatten mindestens 3 Zytostatika-Vorbehandlungen und 49 Prozent auch eine autologe Stammzelltransplantation
  • Therapie: Leukapherese, zentrale Produktion von Tisagenlecleucel mit T-Zellen des Patienten, lymphodepletierende Behandlung vor der Rückgabe der CAR-T-Zellen, Tisagenlecleucel (eine Infusion) zu einem für den Patienten geeigneten Zeitpunkt

Hauptergebnisse

165 Patienten (median 56 Jahre alt) wurden in die Studie eingeschlossen und von 93 Patienten lagen für die aktuelle Publikation Daten zur Effektivität vor. Nach median 14 Monaten (Beobachtung bis zu 23 Monaten nach CAR-T-Zell-Infusion) hatten 52 Prozent der Patienten angesprochen. 40 Prozent der Gesamtgruppe erreichten eine komplette Remission und 12 Prozent eine partielle. Responder waren zu 65 Prozent auch 1 Jahr nach dem initialen Ansprechen ohne Rezidiv, bei kompletter Response waren es 79 Prozent. Das mediane Gesamtüberleben für alle Patienten lag bei 11,1 Monaten.

Nebenwirkungen von Grad 3/4 traten bei 85 Prozent zeitnah zur Infusion auf und hatten sich bei 49 Prozent nach 8 Wochen komplett zurückgebildet. Es gab keine therapiebedingten Todesfälle.

Klinische Bedeutung

Für Patienten mit therapierefraktären oder mehrfach rezidivierten B-Zell-Lymphomen, die keine Möglichkeit für eine allogene Stammzelltransplantation haben, ist die bisherige Prognose mit einem medianen Überleben von 4 bis 5 Monaten sehr ungünstig (2). Nur 23 Prozent überleben 1 Jahr. Die Daten der JULIET-Studie mit Tisagenlecleucel weisen nach Meinung der Autoren daraufhin, dass sich mit CAR-T-Zellen bei einem hohen Anteil der Patienten dauerhafte Remissionen erzielen lassen und neue Chancen bieten zu überleben. Zum Aspekt der Sicherheit sei eine weitere und längere Nachverfolgung notwendig, um auch potenzielle unerwünschte Langzeiteffekte zu erfassen.

Finanzierung: Novartis