CAR-T-Zellen: Jeder zweite Patient mit rezidivierten B-Zell-Lymphomen lebt noch nach zwei Jahren


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die CAR-T-Zell-Präparation Axicabtagene Ciloleucel führt bei jedem zweiten Patienten mit diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen (54 Prozent) nach mehrfach unwirksamen Behandlungen zu einer kompletten Remission. 35 Prozent kommen trotz intensiver Vortherapien noch dauerhaft (> 24 Monate) in eine komplette Remission, sind also mindestens zwei Jahre krankheitsfrei . Das mediane Gesamtüberleben ist noch nicht erreicht. Nach 24 Monaten lebten in der ZUMA-1-Studie 51 Prozent.

Hintergrund

Patienten mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen haben eine schlechte Prognose, wenn die Erkrankung nach Chemoimmuntherapie und Stammzelltransplantation wiederauftritt. Das gilt auch für den häufigsten Subtyp, das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL). Das mediane Gesamtüberleben liegt nach Daten einer aktuellen gepoolten Analyse von 636 mehrfach rezidivierten Patienten (r/rDLBCL) bei 6,3 Monaten (1). Eine neue Strategie sind CAR-T-Zellen (chimeric antigen receptor T cells). Es sind körpereigene T-Lymphozyten, die dem Patienten aus dem peripheren Blut entnommen und gentechnisch so verändert werden, dass sie zwei Arten von T-Zellrezeptoren bilden: die eigenen ursprünglichen und zusätzlich solche mit Spezifität für B-Zellen, der Ursprungspopulation von B-Zell-Lymphomen. Die CAR-T-Zell-Präparation Axicabtagene Ciloleucel wurde im Sommer 2018 in Europa zur Therapie von DLBCL zugelassen. Nun liegen Daten für median 27 Monate vor (2).

Design

  • Phase I/II-Studie mit insgesamt 119 Patienten, die an primär refraktären oder mehrfach rezidivierten großzelligen B-Zell-Lymphomen litten
  • medianes Alter: 59 Jahre
  • konventionelle Vorbehandlungen: mindestens 2, 69 Prozent hatten mehr als 3 Vortherapien
  • CAR-T-Zellen: Zielkonzentration einer einmaligen Infusion von autologen CAR-T-Zellen: 2 x 106/kg KG nach einer Konditionierung mit niedrig dosierten Cyclophosphamid und Fludarabin.
  • primärer Endpunkt: objektive Response

Hauptergebnisse

108 Patienten mit therapierefraktären, großzelligen B-Zell-Lymphomen erhielten eine Infusion autologer, gentechnisch modifizierter CAR-T-Zellen mit Spezifität für das CD19-Antigen auf B-Lymphozyten. Die Rate des objektiven Ansprechens lag dem unabhängigen zentralen Review-Komittée zu Folge nach median 27,1 Monaten bei 74 Prozent. 54 % Prozent hatten komplett angesprochen und 24 Prozent partiell. Die mediane Dauer des Ansprechens betrug 11,1 Monate. Für Patienten mit kompletter Response war die mediane Dauer noch nicht erreicht. 35 Prozent der Gesamtgruppe erreichten eine dauerhafte komplette Response (> 24 Monate). Bei 48 Prozent trat ein schweres unerwünschtes Ereignis (mindestens Grad 3) auf, meist Zytokin-Release-Syndrom, neurologische Nebenwirkungen und B-Zell-Aplasie. Zwei Patienten waren allerdings therapiebedingt gestorben.

Klinische Bedeutung

Bislang überlebten nur 20 Prozent der Patienten mit r/rDLBCL zwei Jahre (1). Bei der CAR-T-Zelltherapie mit Axicabtagene Ciloleucel sind mehr als die Hälfte nach 2 Jahren noch am Leben und 35 Prozent krankheitsfrei (2). Die Effektivität der CAR-T-Zellen ist damit hoch: Es sind „lebende Krebsmedikamente“, die über Monate oder länger im Körper persistieren, sich vermehren und funktionsfähig sein können. Die teilweise schweren Nebenwirkungen werden zunehmend kontrollierbar. In der ZUMA-1-Studie waren allerdings zu Beginn zwei Patienten therapiebedingt verstorben.

Finanzierung: KITE