Bypass oder Stent? Neue Leitlinien von Kardiologen und Herzchirurgen geben Entscheidungshilfe


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Bypass-OP oder Koronar-Stent? Beim Kongress der europäischen Kardiologen-Gesellschaft in München sind jetzt neue Leitlinien zur Myokard-Revaskularisierung vorgestellt worden und im „European Heart Journal“ erschienen. Diese Leitlinien ergänzen andere Leitlinien, so etwa zur stabilen KHK, zum Herzinfarkt, zur Herzinsuffizienz und zu Klappenerkrankungen. Zu den Hauptempfehlungen zählt unter anderen die, dass Patienten ein Recht auf Informationen über die Erfahrung des behandelnden Arztes und über das Krankenhaus haben.

Hintergrund

Bei Patienten mit KHK stehen zur Myokard-Revaskularisierung prinzipiell zwei unterschiedliche Verfahren zur Verfügung: und zwar die Bypass-Implantation durch einen Herzchirurgen und die Katheter-gestützte Implantation eines Stents nach Koronardilatation durch einen Kardiologen. Beide Verfahren haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Für welche Patienten welches Verfahren das beste ist, wird unter Kardiologen und Herzchirurgen seit Jahren immer wieder auch kontrovers diskutiert. Die vorliegenden Empfehlungen wurden daher wieder gemeinsam von Kardiologen und Herzchirurgen der „ European Society of Cardiology“ (ESC)  und der „European Association for Cardio-Thoracic Surgery“ (EACTS) erstellt. Finanziert wurden sie allein durch die beiden Fachgesellschaften. 

Was ist neu?

Neu in den Leitlinien sind nach Angaben der Autoren zum Beispiel, 

  • dass zur Revaskularisierung bei KHK-Patienten mit Herzversagen und einer LVEF von maximal 35 Prozent der Bypass bevorzugt werden sollte,
  • dass bei einer Koronarangiographie und PCI der Radialis-Zugang der Standard-Zugang ist,
  • dass DE-Stents bei jeder perkutanen Ballondilatationen verwendet werden,
  • und dass bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern, bei denen Gerinnungs- und Thrombozytenaggregations-Hemmer indiziert sind, die direkten oralen Gerinnungshemmer den Vitamin-K-Antagonisten vorgezogen werden sollten.

Hauptempfehlungen

Bei Patienten mit einfacherer Erkrankung, bei denen nur ein oder zwei der drei Hauptäste betroffen sind, oder das Ausmaß der Verkalkungen und Engstellen in allen drei Gefäßen gering ist, bieten die Bypassoperation und die PCI ähnliche langfristige Erfolge.

Beim frischen schweren Herzinfarkt kommt aufgrund der sehr schnellen Verfügbarkeit meistens die PCI zum Einsatz.

Bei Patienten mit komplexen Erkrankungen wird dagegen zur Bypass-OP geraten. „Eine ‚komplexe Erkrankung liegt vereinfacht gesehen dann vor, wenn das Ausmaß der Verkalkung in allen drei Herzkranzgefäßen sehr hoch ist“, erläutert in einer Mitteilung Professor Dr. Volkmar Falk, einer der Autoren der Leitlinie. „Hier“, so der ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, „zeigen uns die vorliegenden Studien, dass die Bypass-Operation langfristig einen Überlebensvorteil bietet“.

Auch Patienten mit Diabetes haben bessere langfristige Ergebnisse mit einer Bypassoperation, dies auch bereits bei weniger komplexen Erkrankungen. 

Unabhängig von der Methode sollten bei Vorliegen einer stabilen koronaren Herzkrankheit und Befall mehrerer Gefäße alle schweren Engstellen behandelt werden können.

„Bei Patienten mit chronischer Koronararterienerkrankung und einer komplexen Koronaranatomie sollte stets ein interdisziplinäres Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten gemeinsam mit dem Patienten über die beste Art der Behandlung entscheiden“, so Volkmar Falk, „in jedem Fall sollte der Patient laienverständlich, unvoreingenommen und ausführlich über Risiken und Vorteile der einzelnen Verfahren aufgeklärt werden“. 

Auch das Recht der Patienten auf Informationen über die Erfahrung von Arzt und Krankenhaus wurde in den Leitlinien festgehalten.