Busulfan plus Melphalan zur Konditionierung vor Stammzelltransplantation bei Multiplem Myelom


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit einem Multiplen Myelom, die eine autologe Stammzelltransplantation bekamen, hatten nach einer Konditionierung mit der Kombination aus Busulfan i.v. und Melphalan gegenüber einer alleinigen Behandlung mit Melphalan ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben.

Hintergrund

Die Einführung der autologen Stammzelltransplantation (AST) für (jüngere) Patienten mit einem Multiplen Myelom in den 1980er Jahren gilt als erster großer Fortschritt in der Therapie dieser Erkrankung seit dem Gebrauch von Melphalan und Prednison. Die Verfügbarkeit von Proteasom-Inhibitoren und Immunmodulatoren hat zu Vergleichsstudien wie IFM2009 und EMN02 geführt, bei denen das progressionsfreie Überleben mit einer autologen Stammzelltransplantation signifikant länger war als ohne, allerdings kein Unterschied im Gesamtüberleben festgestellt wurde. Als ein mögliches Nadelöhr gilt die Konditionierung für die AST, die hier in Form von intravenösem Busulfan plus Melphalan getestet wurde.

Design

Randomisierte Studie der Phase 3 zum Vergleich des progressionsfreien Überlebens nach einer AST bei 202 Patienten unter 70 Jahren mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom, die zur Konditionierung entweder Busulfan i.v. plus Melphalan erhalten hatten oder Melphalan allein. Die Busulfan-Gaben wurden laufend pharmakokinetisch angepasst, um das Risiko für die in einer früheren Studie bei oraler Gabe häufig beobachtete venöse okklusive Leberkrankheit (VOD) zu minimieren.

Hauptergebnisse

  • 90 Tage nach der AST zeigten unter der Kombinationsbehandlung 98 % der Patienten und mit Melphalan allein 97 % ein partielles oder besseres Ansprechen auf die Therapie.
  • Bei einem medianen Follow-Up von etwa 21 Monaten war das mediane, progressionsfreie Überleben unter der Kombination 64,7 Monate gegenüber 43,5 mit Melphalan allein. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR zugunsten der Kombination von 0,53 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,30 – 0,91 (p = 0,022).
  • Es gab keine Todesfälle im Zusammenhang mit der AST, und auch keine durch die VOD. Nicht-hämatologische Nebenwirkungen der Schweregrade 3 – 4, insbesondere Durchfall, Mukositis und fiebrige Neutropenien wurden aber unter der Kombinationsbehandlung häufiger berichtet und führten auch zu schlechterer Lebensqualität bei diesen Patienten in den ersten Wochen nach der Transplantation.

Klinische Bedeutung

Erstmals wurde nach Kenntnis der Autoren hier in einer randomisierten Phase-3-Studie ein signifikanter Vorteil beim progressionsfreien Überleben für die Kombination Busulfan/Melphalan gegen Melphalan allein demonstriert. Dies sei ein „größerer Fortschritt“, schreiben sie, und vorausgesetzt, dass dieses Ergebnis sich in weiteren Studien bestätigt, könne die Kombination zum neuen Standard für die Konditionierung für die AST beim Multiplen Myelom werden.

Finanzierung: National Institutes of Health u.a.