Busse: Praxen zwölf Stunden am Tag öffnen

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Berlin (pag) – In einem „Richtungspapier“ geben vier Experten aus dem Gesundheitswesen – als Lehren aus der Corona-Pandemie – Empfehlungen für künftige Reformen.

 

Demnach sollten im ambulanten Sektor Videobehandlungen und die Krankschreibung per Telefon „zumindest in geeigneten Fällen als Teil der Routineversorgung dauerhaft verstetigt werden“. Auch ein Home Telemonitoring von besonderen Patientengruppen könnte verstärkt in das Aufgabengebiet der Vertragsärzte fallen. Zunehmend müsse der ambulante Sektor in Zentren übergehen, schlägt einer der Autoren und Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse bei der Vorstellung des Papiers vor. Das gehe auch mit längeren Praxis-Öffnungszeiten einher. Busse denkt dabei an zwölf Stunden am Tag. Das würde die Notfallambulanzen an den Krankenhäusern entlasten.

Die Autoren machen sich außerdem für eine stärkere Verzahnung und Überwindung der Sektoren stark. Ferner schlägt Krankenhausexperte Prof. Boris Augurzky regionale Gesundheitsbudgets und Vorhaltefinanzierungen vor, die das DRG-System ergänzen sollen. Notwendig seien aber eine Zentralisierung und Spezialisierung der Kliniklandschaft.

Dass die Politik den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) fördern will, begrüßt Prof. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit. Er denkt aber weiter. „Wenn wir den öffentlichen Gesundheitsdienst aufgerüstet haben, muss er ein wissenschaftliches Fundament bekommen.“ Außerdem gelte es zu klären, welche Rolle der ÖGD künftig übernimmt.

Für die heilkundliche Übertragung gewisser Aufgaben auf Pflegeberufe in der Primärversorgung macht sich die Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin Prof. Gabriele Meyer stark – besonders in ländlichen Regionen, in denen die ambulant-ärztliche Versorgung zunehmend verschwinde.

All diese Visionen lassen sich nach Meinung der Autoren durch die Digitalisierung effektiver und effizienter verwirklichen. Datensicherheit und Datenschutz seien zwar essenziell, der Nutzen dürfe aber nicht darunter leiden, wünscht sich Gerlach. Seine Devise: „Daten teilen heißt besser heilen.“

 

Das Papier wurde im Auftrag des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg), der Bertelsmann Stiftung und der Robert Bosch Stiftung angefertigt. Sie finden es hier.