Burn-out bei Ärzten: Übersichtsstudie erbringt keine brauchbaren Daten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Der Versuch, die Prävalenz des Burn-outs unter Ärzten zu messen, scheitert daran, dass die Studien zu uneinheitlich sind und das Phänomen unterschiedlich definiert und gemessen wird.

Hintergrund

Das Phänomen des ausgebrannt seins wurde erst ab 1974 durch den Psychotherapeuten Herbert Freundenberger unter dem Namen „Burn-out“ bekannt. Es ist keine Diagnose im eigentlichen Sinne, doch geht der Burn-out oft mit psychischen Erkrankungen einher und scheint gehäuft bei Pflegenden und Heilkundlern aufzutreten.

Design

Ziel war es, durch die Auswertung veröffentlichter Studien die Methoden zur Erfassung des Burn-outs zu charakterisieren und dessen Prävalenz unter Ärzten zu schätzen.

Hauptergebnisse

  • Die Autoren fanden 182 Studien mit 109.628 Teilnehmern aus 45 Ländern; die Studien wurden zwischen 1991 und 2018 veröffentlicht.
  • Gemessen wurde beim Großteil der Studien (85,7%) mit dem Maslach Burnout Inventory, einem Fragebogen mit 22 Punkten zu den drei Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.
  • Schätzungen zur Prävalenz des Burn-outs unter Ärzten nannten 67,0 % der Studien, 72,0 % hatten die emotionale Erschöpfung erfasst, 68,1 % die Depersonalisation und 63,2 % nach reduzierter Leistungsfähigkeit gefragt. Allerdings gab es mindestens 142 verschiedene Definitionen der obigen Begriffe und somit erhebliche Meinungsverschiedenheiten, was einen Burn-out darstellt und was nicht.
  • Entsprechend groß war die Bandbreite der Prävalenzschätzungen, die für den Burn-out von 0 % bis 80,5 % reichten, für die emotionale Erschöpfung von 0 bis 86,2 %, bei der Depersonalisation von 0 bis 89,9 % und bei der reduzierten Leistungsfähigkeit von 0 bis 87,1 %.

Klinische Bedeutung

Die Übersichtsarbeit scheitert daran, auch nur eine grobe Schätzung der Prävalenz des Burn-outs unter Ärzten liefern, geschweige denn Assoziationen mit beruflichen oder demoskopischen Faktoren aufzuzeigen. Zu uneinheitlich waren die dazu bislang durchgeführten Studien, sodass auch das ursprünglich geplante Zusammenfassen der Daten nicht möglich war. 44 Jahre nach Einführung des Begriffes scheint es an der Zeit für eine allgemein gültige Definition des Burn-out und der Instrumente, ihn zu messen.

Finanzierung: National Institutes of Health