Bundesverfassungsgericht: Medizin-NC auf dem Prüfstand

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Karlsruhe (pag) – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat sich am 4. Oktober in einer mündlichen Verhandlung damit beschäftigt, ob der Numerus Clausus als Kriterium für die Zulassung zum Studium der Humanmedizin noch zeitgemäß ist. Grundlage sind zwei Richtervorlagen des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Dieses beanstandet das aktuelle Zulassungsverfahren in vielerlei Hinsicht. Die Verhandlungsergebnisse sind noch nicht veröffentlicht.

 

Aus der Sicht des Marburger Bundes ist ein sachgerechtes Verfahren zur Auswahl geeigneter Bewerber für das Medizinstudium durch die massive Fokussierung auf die Abiturnote derzeit nicht gewährleistet. Der Verband plädiert dafür, die Abiturbestenquote und die jeweiligen Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) zusammenzuführen. In dieser neuen Quote sollten die Ergebnisse des Schulabschlusses niedriger als bisher gewichtet und weitere Auswahlkriterien mit entsprechender Aussagekraft über die Eignung des Bewerbers sowohl für Studium als auch Beruf – etwa im Hinblick auf Sozialkompetenz und Motivation – verstärkt und bundeseinheitlich einbezogen werden. 

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wirbt dafür, dass die Zulassung zum Medizinstudium verstärkt auf die Anforderungen an ärztliche Tätigkeiten ausgerichtet wird. Die Ministerin betont anlässlich der Verhandlungen: „Nicht jeder Einser-Abiturient ist zwingend auch in der Patientenversorgung ein guter Arzt.“ Sozialer Kompetenzen und einer besonderen Motivation für das Medizinstudium müsse künftig deshalb mehr Gewicht verliehen werden als bisher.

„Wer Arzt werden möchte und die nötigen Voraussetzungen mitbringt, sollte nicht an einer schlechten Abiturnote in Sport oder Religion und auch nicht an suboptimaler Wahltaktik scheitern“, wünscht sich auch Prof. Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung. Engagement etwa durch praktische Erfahrung im medizinischen oder pflegerischen Bereich müsse künftig verstärkt im Bewerbungsprozess zum Tragen kommen und die Chancen auf einen Studienplatz verbessern.