Bundestagsdebatte zu Trisomie-Test bei Schwangeren im Frühjahr

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Politiker aller Couleur bis auf die AfD fordern vor Journalisten eine Ethikdebatte im Bundestag über Bluttests bei Schwangeren zur Früherkennung des Downsyndroms bei Ungeborenen. Sie soll möglichst zeitnah geführt werden: Januar 2019 ist im Gespräch. Die Zeit drängt, denn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird darüber entscheiden, ob der Test GKV-Leistung wird. Derzeit tragen Schwangere die Kosten von rund 180 Euro selbst.

„Heute sind 400 Erbkrankheiten diagnostizierbar. Angesichts der rasanten Entwicklung solcher Tests müssen wir zu einer gesetzlichen Reglementierung kommen, um vor Diskriminierung zu schützen“, meint Kathrin Vogel (Linke). Denn in Deutschland entschieden sich heute neun von zehn Frauen bei einem positiven Testergebnis für eine Abtreibung. „Eine Orientierungsdebatte ohne Fraktionszwang muss darüber geführt werden, was erlaubt sein soll, was nicht“, ergänzt FDP-Mann Jens Beeck. „Es gibt auch ein Recht auf ein Nichtwissen“, sagt Dagmar Schmidt (SPD). Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte dürfe es kein „Aussortieren“ geben, müsse Vielfalt gelebt und die inklusive Gesellschaft weiterentwickelt werden, meint Corinna Rüffer (Grüne). „Jedes Menschenleben ist lebenswert. Würde und Lebensrecht dürfen nicht von genetischen Eigenschaften abhängen“, sagt Rudolf Henke (CDU). Die Trisomien seien nur die „Spitze des Eisbergs“, weitere vorgeburtliche Tests zur Diagnose von Gendefekten bereits zugelassen oder in der „Pipeline“. Er tendiere dazu, den Test als Kassenleistung einzuführen, wenn er die Anzahl durchgeführter Amniozentesen verringert – denn diese könnten im schlimmsten Fall zu einem Abort führen. Doch werde der Test diese nicht ersetzen, da bei einem positiven Testbefund eine invasive Nachuntersuchung erforderlich sei – darauf hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in seinem Abschlussbericht hingewiesen.

Bereits im Juli forderten über 100 Politiker in einem überfraktionellen Positionspapier eine Ethikdebatte im Bundestag. Der Gesundheitsausschuss will im November das Thema auf die Tagesordnung setzen.