Bündnis gegen Adipositas: „Aktion Weniger Zucker“

  • DANK

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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„Aktion Weniger Zucker“ heißt das neue Bündnis, das die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) gemeinsam mit dem AOK-Bundesverband, foodwatch, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. (EMZ) gegründet hat. Es fordert wirksame politische Maßnahmen zur Prävention von Fehlernährung.

Hintergrund

Übergewicht ist eines der drängendsten Gesundheitsprobleme in Deutschland. Fast 60 Prozent der Erwachsenen gelten mit einem BMI über 25 kg/m² als übergewichtig, fast jeder Vierte als adipös (BMI ≥ 30 kg/m²). Der Grundstock wird schon im Kindesalter gelegt: 8,7 Prozent der Heranwachsenden im Alter von 3 bis 17 Jahren sind nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu dick, 6,3 Prozent leiden an starkem Übergewicht. Das heißt, bei etwa 1,9 Millionen Kindern und Jugendlichen liegt das Gewicht über der 90. geschlechts- und altersspezifischen Perzentile. Eine große Chance, diesen Trend aufzuhalten, besteht in der Verringerung des hohen Zuckerkonsums. Die deutsche Politik setzt dabei bisher vor allem auf Aufklärungskampagnen und Ernährungskurse für den Einzelnen. Doch dieser individualistische Ansatz gilt wissenschaftlich als gescheitert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt stattdessen Maßnahmen, die das alltägliche Umfeld der Bevölkerung gesundheitsförderlicher gestalten: „Make the healthy choice the easier choice“ – „Mach das Gesündere attraktiver“.

Zielsetzung

Das Ziel der „Aktion Weniger Zucker“ ist die Eindämmung des hohen Zuckerkonsums in Deutschland und die Förderung einer gesunden Ernährung durch gesundheitspolitische Entscheidungen. Bisherige Ansätze reichten nicht aus, um die aktuelle Übergewichtswelle aufzuhalten. Die „Aktion Weniger Zucker“ fordert deshalb in Anlehnung an das erfolgreiche Tabakrahmenübereinkommen der WHO ein breites Paket gesundheitspolitischer Maßnahmen. Ein konzertiertes Vorgehen sei im Bereich Ernährung dringend notwendig. Orientiert am britischen Vorbild der „Consensus Action on Sugar“ konzentriert sich das neue Bündnis zunächst auf das Problem des übermäßigen Zuckerkonsums durch Fertigprodukte und Softdrinks. 

Konkret gibt es vier Forderungen: 

  • Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für zuckerreiche oder andere hochkalorische Lebensmittel, sofern das Lebensmittel nicht dem Nährwertprofil der WHO entspricht
  • Für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung
  • Steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln
  • Verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung

Deutschland hinke bei politischen Maßnahmen gegen Übergewicht weit hinterher, so die Sprecherin Barbara Bitzer von DANK, einem Zusammenschluss von 22 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. Bitzer: „Es braucht dringend Maßnahmen, die dauerhaft sind und die ganze Bevölkerung erreichen. Die Aktion Weniger Zucker will der Entwicklung auf die Sprünge helfen, dass solche wirksamen Maßnahmen endlich auch in Deutschland umgesetzt werden.“ Die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Organisationen sei dabei sehr wichtig, um die Belange aller Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen und zu vertreten.