Brustkrebs-Screening ermöglicht den Teilnehmerinnen häufig eine schonendere Therapie


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine retrospektive Fallstudie zeigt, dass Frauen, die am deutschen Mammographie-Screeningprogramm (MSP) gegen Brustkrebs teilnahmen, seltener eine Chemotherapie in Anspruch nehmen mussten und häufiger brusterhaltend operiert werden konnten, als Nichtteilnehmerinnen.

Hintergrund

Der Sinn von Screening-Programmen besteht darin, die jeweilige Krankheit frühzeitig zu erkennen und dadurch besser therapieren oder heilen zu können. Vom deutschen MSP erhofften sich die Autoren explizit auch eine schonendere Therapie. Um dies zu überprüfen haben sie die Tumorcharakteristika bei Frauen verglichen, die am Screening teilgenommen hatten, oder nicht.

Design

Retrospektive Fallserie mit 1531 Frauen, die zwischen 2006 und 2012 in zwei zertifizierten Zentren in Münster mit invasivem und In-situ-Brustkrebs (DCIS) diagnostiziert worden waren, und die einen Anspruch auf Mammografiescreening hatten. Erfasst wurden Tumorcharakteristik, Tumorbiologie und operative Primärtherapie sowie der Anlass der Diagnose: Screening, Untersuchung im Intervall nach einem unauffälligen Screeining, oder nach Verdacht bei Nichtteilnehmerinnen des Screenings.

Hauptergebnisse

  • Das Alter der betroffenen Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose war mit 60,2 Jahren in der gescreenten Population und 59,3 Jahren bei den Nichtteilnehmerinnen vergleichbar.
  • Die gescreenten Frauen hatten zu 23 % ein DCIS, die nicht gescreenten nur zu 12,8 % (p
  • Invasive Karzinome waren bei gescreenten Frauen kleiner (74 % versus 55 % im T1-Stadium, p
  • Eine neoadjuvante Behandlung bekamen nur 2,4 % der MSP-Teilnehmerinnen gegenüber 7,9 % der nicht gescreenten Frauen. Auch die Indikation für eine adjuvante Chemotherapie gemäß Leitlinie war mit 48,8 % versus 59,6 % bei MSP-Teilnehmerinnen seltener.
  • Eine brusterhaltene Therapie war mit 75,2 % versus 62,1 % bei den MSP-Teilnehmerinnen häufiger möglich (p

Klinische Bedeutung

Erstmals seit Einführung des deutschen MSP werden in dieser Studie die Charakteristika inzidenter Brustkrebsfälle bei den Teilnehmerinnen mit inzidenten Fällen unter Nichtteilnehmerinnen verglichen. Auch unter Berücksichtigung der Intervallkarzinome fanden die Autoren klare Belege dafür, dass die gescreenten Frauen prognostisch günstigere Mammakarzinome hatten. Dies schlägt sich in häufigeren brusterhaltenden Therapien und seltenerem Bedarf für eine Chemotherapie nieder. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob sich die schonendere Behandlung auch in einer verbesserten Lebensqualität niederschlägt.

Finanzierung: Keine Angaben. Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.