Brustkrebs mit geringen Rezdivrisiko: Neue Evidenz pro hyperfraktionierte Bestrahlung

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Aus der britischen Studie FAST-Forward kommen neue Daten, die das Ergebnis einer hyperfraktionierten Bestrahlung bei Frauen mit geringem Brustkrebsrisiko nach einer Operation abschätzen. Ein einwöchiges Regime mit 26 Gy in 5 Tagen erweist sich dabei als nichtunterlegen gegenüber 40 Gy verteilt auf 3 Wochen.

Hintergrund

Frauen mit frühen Brustkrebserkrankungen erhalten nach der Operation zumeist eine Strahlentherapie, die in 15 Fraktionen appliziert wird. Die vielen Anwendungen über einen verhältnismäßig langen Zeitraum stellen für viele eine erhebliche Belastung dar. Gesucht wird deshalb nach verkürzten Regimen der Strahlentherapie, die ähnlich sicher und bei der lokalen Kontrolle der Erkrankung nicht unterlegen sind.

Design

Für die multizentrische, randomisierte Studie der Phase 3 „FAST-Forward“ sollte geprüft werden, ob eine Strahlentherapie mit 5 Sitzungen binnen einer Woche nicht schlechter ist als der Standard von 15 Anwendungen. Es wurden dafür an 97 britischen Kliniken 4096 Patientinnen rekrutiert, die an invasiven Karzinomen der Brust (pT1-3; pN0-1, M0) erkrankt waren und eine brusterhaltende Operation oder Mastektomie erhalten hatten. Die Randomisierung erfolgte auf gleich große Gruppen mit 40 Gy in 15 Fraktionen über 3 Wochen, 27 Gy in 5 Fraktionen über eine Woche, bzw. 26 Gy in 5 Fraktionen über eine Woche. Primärer Endpunkt waren ipsilaterale Rezidive des Mammakarzinoms, hier berichtet 5 Jahre nach der Bestrahlung. Mit der Applikation von 40 Gy wurde dafür eine Inzidenz von 2 % angenommen; die Nicht-Unterlegenheit der hyperfraktionierten Regime wurde definiert als maximal 1,6 Prozentpunkte mehr als der Standard, was einem Chancenverhältnis HR von 1,81 entspricht.

Ergebnisse

  • Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 71,5 Monaten war der primäre Endpunkt bei 79 Patientinnen erreicht: 31 dieser Frauen waren mit 40 Gy bestrahlt worden erhalten, 27 hatten 27 Gy erhalten, und in der Gruppe mit 26 Gy wurden 21 Rückfälle beobachtet.
  • Die Chancenverhältnisse im Vergleich zu 40 Gy-Gruppe betrugen 0,86 mit 27 Gy (95%-Konfidenzintervall 0,51 – 1,44) und 0,67 mit 26 Gy (95%-KI 0,38 – 1,16).
  • Die 5-Jahresinzidenz betrug 2,1 % unter 40 Gy; die absoluten Differenzen dazu unter 27 Gy – 0,3 % und mit 26 Gy – 0,7 %.
  • Die Wahrscheinlichkeit, die beiden hyperfraktionierten Regime fälschlicherweise als nichtunterlegen einzustufen, wurde mit p = 0,0022 bzw p = 0,00019 berechnet.
  • Moderat oder stark ausgeprägte Auswirkungen auf das Brustgewebe erfuhren nach 5 Jahren in der Einschätzung der Ärzte 9,9 % der Patientinnen unter 40 Gy, 15,4 % unter 27 Gy, und 11,9 % unter 26 Gy. In der Gesamtheit aller ärztlichen Bewertung vom Jahr 1 bis zum Jahr 5 der Studie war der Unterschied mit 27 Gy signifikant gewesen (p

Bedeutung

In dieser Population von Frauen mit mehrheitlich geringem Rezdivrisiko (62,3 %) waren beide hyperfraktionierten Regime bezüglich Rezidiven nicht unterlegen, jedoch wurden in der 27 Gy-Gruppe schlechtere kosmetische Resultate verzeichnet. Die Kommentatoren Antonin Levy und Sofia Rivera (Villejuif) sehen (für 26 Gy) eine „robuste Evidenz“, dass die Grenze der Hyperfraktionierung mit früheren Studien noch nicht erreicht wurden, und möglicherweise neue Standards etabliert werden könnten. Sie warnen aber auch, dass eine längere Nachverfolgung notwendig sei.  Die Autoren haben angekündigt, in Kürze auch die 10-Jahres-Daten dieser Studie zu veröffentlichen.

Finanzierung: National Institute for Health Research Health Technology Assessment Programme.