Brustkrebs: Die Leitlinien zur genetischen Untersuchung des US-amerikanischen NCCN schießen am Ziel vorbei

  • Beitsch PD & al.
  • J Clin Oncol
  • 07.12.2018

  • von Miriam Davis, PhD
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die US-Leitlinien zur genetischen Untersuchung bei Brustkrebs, entwickelt vom National Comprehensive Cancer Network (NCCN), sind veraltet. Die vorliegende St udie prüft bei Frauen mit Brustkrebs, ob sie eine von 80 pathogene n /wahrscheinlich pathogene n (pathogenic/likely pathogenic, P/LP) Genvarianten tragen. Beinahe die Hälfte der Frauen mit einer solchen Genvariante entspricht demnach nicht den Kriterien der NCCN-Leitlinien und wäre daher genetisch nicht untersucht worden.

Hintergrund

Bereits vor 20 Jahren hat das National Comprehensive Cancer Network (NCCN) die US-Leitlinien zur genetischen Untersuchung bei Brustkrebs entwickelt. Sie dienen dazu, Frauen mit hoher Wahrscheinlichkeit für BRCA+ Brustkebs zu identifizieren und vorzuselektieren um keine unnötigen Tests durchzuführen. Dabei stellt sie jedoch das familiäre bedingte Risiko stark in den Vordergrund. Allerdings gehen Schätzungen davon aus, dass nur 10 Prozent der BRCA1 und BRCA2-Trägerinnen auf der Grundlage dieser veralteten Leitlinien überhaupt identifiziert werden. 50 bis 80 Prozent der Betroffenen mit BRCA+ Brustkrebs wird keine genetische Untersuchung angeboten, da keine familiäre Häufung von Brustkrebs bekannt ist.

Dazu kommt, dass Wissenschaftler mittlerweile eine ganze Reihe weiterer Risikogene entdeckt haben, die nicht im Zusammenhang mit familiär gehäuftem Brustkrebs stehen. Sie spielen jedoch für die Diagnostik und die gezielte Therapie eine entscheidende Rolle.

    Studiendesign:

    • Multizentrische Kohortenstudie mit 959 Patientinnen mit Brustkrebs die bislang nicht genetisch untersucht wurden.

    • Die Patienten wurden auf das Vorhandensein von 80 P/LP-Varianten untersucht.

    • Ob die Patientinnen den NCCN Leitlinien für die genetische Untersuchung entsprachen, wurde anhand eines Fragebogens ermittelt, den die behandelnden Ärzte ausfüllten.

    Hauptergebnisse

    • 49.95% der Kohorte entsprachen den NCCN-Kriterien für eine genetische Untersuchung, 50.05% entsprachen diesen Kriterien nicht.

    • Bei 8.65% der Kohorte wurde eine P/LP-Variante identifiziert.

    • P/LP-Varianten wurden in beiden Gruppen mit vergleichbarer Häufigkeit entdeckt. Von den Patientinnen, die den NCCN-Kriterien für eine genetische Untersuchung entsprachen, trugen 9.39% eine P/LP-Variante, In der Gruppe, die den Kriterien nicht entsprach, waren es 7.9%.

    Klinische Bedeutung

    Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass es sinnvoll wäre, alle Betroffenen genetisch zu untersuchen. So könnten bei fast doppelt so vielen P/LP-Varianten identifiziert und beispielsweise Therapiemaßnahmen darauf abgestimmt werden. Entsprechend sollten die Leitlinien überarbeitet werden – gerade vor dem Hintergrund, dass die Kosten für die genetische Untersuchung dramatisch gesunken sind.

    Finanzierung

    keine Angaben