Brustkrebs-Bluttest: Uniklinik Heidelberg beruft externes Expertengremium ein


  • Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Ankündigung zur diesjährigen Markteinführung eines Brustkrebs-Bluttests durch die Uniklinik Heidelberg/HeiSceen GmbH wurde durch die Verquickung von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen von Fachkreisen stark kritisiert. Nun soll ein weitgehend externes Expertenteam die Rahmenbedingung für Veröffentlichung von Forschungsinhalten und Firmenausgründungen an der Uniklinik Heidelberg neu strukturieren.

Hintergrund

Das Unternehmen HeiScreen GmbH, eine Ausgründung der Uniklinik Heidelberg, hatte im Februar einen Brustkrebs-Bluttest vorgestellt, der noch dieses Jahr die Marktreife erlangen soll. Beworben als „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik “ soll der Test Botenstoffe von Tumorzellen im Blut aufspüren können.

Kohortenstudie am Universitätsklinikum Heidelberg

Ein international renommiertes Expertenteam der Universitätsklinikum Heidelberg/HeiScreen GmbH hat das Brustkrebsdiagnoseverfahren erforscht. Basierend auf dem Liquid Biopsy Verfahren wurde bereits 2016 ein Patent angemeldet; Sensitivität und Spezifizität des Testverfahrens wurden an über 900 Frauen (500 Brustkrebspatienten und 400 gesunde Frauen) evaluiert. Die momentan erreichte Sensitivität von 75% wurde als altersabhängig beschrieben. So betrug die Sensitivität bei maximal 50-Jährigen 86%, bei den über 50-Jährigen 60%. Bei 25% der Patientinnen wurde der Krebs übersehen,  in 30% der Fälle hatte der Test einen falschen Alarm ausgelöst.

Die Multizenterstudie soll dieses Jahr weitergeführt werden, um die Analysemöglichkeiten zu spezifizieren und auf weitere Krebsarten, wie zum Beispiel Eierstockkrebs, auszuweiten. Zukünftig soll der Bluttest auch zur Detektion von Metastasenbildung, Rezidiv-Früherkennung und zur Langzeitüberwachung eingesetzt werden.

Kritik an der Kommunikation der Uniklinik Heidelberg/HeiScreen GmbH

Am 21. Februar 2019 wurde im Rahmen eines Fachkongresses und einer Pressemitteilung der Uniklinik Heidelberg die Entwicklungen des Brustkrebs-Bluttests bekannt gegeben. Das mediale Echo war aufgrund der Art der Veröffentlichung und des Zeitpunkts enorm. Manche Medien feierten den Bluttest sogar als Revolution. Dies weckte generell falsche Hoffnungen bei Frauen und auch bei Brustkrebspatientinnen. Zudem kritisierten Experten insbesondere, dass:

  • die Studienergebnisse bis dato nicht in Fachjournalen publiziert wurden,
  • Aussagen zum Anteil der Fehlalarme des Bluttests zurückgehalten wurden,
  • entscheidende Daten zum Nutzen des Tests fehlten,
  • Mitarbeiter der Uniklinik Heidelberg an der HeiScreen GmbH finanziell beteiligt sind.

Stellungname der Uniklinik Heidelberg

Die PR-Kampagne für den angekündigten Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung führte nun zu einer offiziellen Stellungnahme der Uniklinik Heidelberg. Darin kündigt die Pressesprecherin Doris Rübsam-Brodkorb an, dass eine interne Arbeitsgruppe mit den Aufarbeitungen angefangen habe. Zudem soll eine unabhängige Kommission aus überwiegend externen Experten das Uniklinikum und der Medizinischen Fakultät Empfehlung zum Umgang mit der Art der Veröffentlichung von Forschungsinhalten und Firmenausgründungen aussprechen.

Gegenüber der Rhein-Necker Zeitung hatte Frau Rübsam-Brodkorb bereits Ihr Bedauern gegenüber falsch geweckten Hoffnungen bei Frauen ausgesprochen.