Brustkrebs: Bei Sarkopenie vermindert sich die Überlebenschance


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Sarkopenie ist ein unabhängiger Risikofaktor für ein reduziertes Gesamtüberleben bei Frauen mit nicht-metastasiertem Mammakarzinom. Ist die Muskelmasse gering und zusätzlich der Fettanteil in verschiedenen Geweben hoch, haben die Patientinnen ein fast doppelt so hohes Risiko zu sterben als Frauen mit normalen Muskel- und Fettanteilen im Körper.

Design

  • Retrospektive Kohortenstudie mit 3.241 Frauen aus dem US-amerikanischen Kaiser Permanente Register
  • Diagnose "nicht-metastasiertes Mammakarzinom" in den Jahren 2005 bis 2013, maximal Tumorstadium 3
  • Computertomographie (CT) vom Abdomen oder vom Pelvis-Bereich
  • Berechnung des Anteils von Muskel- und Fettgewebe (intraabdominal, subkutan, intramuskulär) in Höhe des 3. Lendenwirbels auf Basis eines CT
  • Medianes Alter bei Diagnose: 54 Jahre
  • Multivariate Analyse (u.a. Alter der Patientinnen, Komorbiditäten, Tumorstadium und -charakteristika)

Hauptergebnisse

34 % der Studienteilnehmerinnen hatten eine Sarkopenie. Für Patientinnen mit Sarkopenie ergab sich nach multivariater Analyse ein um 41 % erhöhtes Gesamtsterblichkeitsrisiko im Vergleich zu Frauen mit normaler Muskelmasse (Hazard Ratio: 1,41). Bei Patientinnen, deren Fettanteil in der obersten Tertile lag, war das Sterblichkeitsrisiko um 35 % erhöht im Vergleich zu Frauen mit Fettanteil in der unteren Tertile (Hazard Ratio 1,35). Kamen Sarkopenie und hoher Fettanteil zusammen, erhöhte sich die Gesamtsterblichkeit um 89 % (Hazard Ratio: 1,89).

Ein hoher Body Mass Index allein war nicht mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko assoziiert.

Klinische Bedeutung

Eine geringe Muskelmasse wird bei statistisch jeder dritten Frau mit nicht-metastasiertem Mammakarzinom gefunden und als Risikofaktor für eine verminderte Überlebenswahrscheinlichkeit unterschätzt, meinen die Autoren. Diese nach ihrer Information größte Studie zur Fragestellung ergibt eine deutliche Assoziation zwischen Sarkopenie und Überleben, vor allem dann, wenn ein hoher Fettanteil im Körper hinzukommt. Die Forscher weisen auf ähnliche Ergebnisse bei metastasiertem Brustkrebs hin. Muskelmasse und Fettanteil seien beeinflussbare Risikofaktoren und Ärzte sollten betroffene Patientinnen entsprechend beraten: Krafttraining zu machen und abzunehmen. Eine solche Beratung sei Teil einer modernen, personalisierten Medizin.