Brustkrebs: Aromatasehemmer können depressive Symptome und Schlaflosigkeit verschlechtern

  • Helga Gutz
  • Clinical Summary
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Hintergrund

  • Aromatasehemmer (AIs) gehören zur Standard-Erstlinienbehandlung von Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs im Frühstadium bei postmenopausalen Frauen.
  • AIs sind Anti-Östrogene, die für mindestens 5 Jahre und manchmal für 10 Jahre verschrieben werden.
  • AIs sind besonders wirksam, da sie die jährliche Wahrscheinlichkeit eines Tumorrezidivs um mehr als ein Drittel verringern.

Erkenntnis

  • Eine 1-Jahres-Kohortenstudie ergab, dass AIs bei postmenopausalem Brustkrebs im Frühstadium die klinisch bedeutsamen Symptome von Depression und Schlaflosigkeit verschlechtern können, nicht aber kognitive Funktionsstörungen.

Warum das wichtig ist

  • Die Ergebnisse legen nahe, dass Haus- und Fachärzte eine routinemäßige Untersuchung und Behandlung von Depressionen und Schlaflosigkeit bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen, die AIs erhalten, in Betracht ziehen sollten.

Studiendesign

  • Prospektive 1-Jahres-Kohortenstudie (n=47) zu postmenopausalen Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (Stadium I-III), die an einem Universitätskrankenhaus in Valencia, Spanien, mit AIs behandelt wurden.
  • Bei den AIs handelte es sich entweder um Anastrozol oder Letrozol.
  • Primäre Endpunkte: mittlere Werte für Kognition, depressive Symptome und Symptome von Schlaflosigkeit nach 6 und 12 Monaten AI-Behandlung im Vergleich zum Ausgangswert (keine AI-Behandlung).
  • Die kognitive Funktion wurde mit der Mini-Mental State Examination gemessen.
  • Depressive Symptome wurden anhand der Geriatric Depression-Skala (GDS) erfasst.
  • Schlaflosigkeitssymptome wurden mit der Athens Insomnia-Skala erfasst.
  • Finanzierung: Universität Valencia, Spanien.

Wesentliche Ergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen (±Standardfehler des Mittelwerts [SEM]) betrug 66,43±1,1 Jahre.

Kognitive Dysfunktion

  • Während der Behandlung wurde kein signifikanter Anstieg der Gesamtscores für kognitive Symptome festgestellt (P=0,777). 
    • Der Prozentsatz der Patientinnen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ging nach einem Jahr (10,7%) gegenüber dem Ausgangswert (16,1%) nicht-signifikant zurück.
  • Bis auf eine Ausnahme gab es in allen kognitiven Teilbereichen (zeitliche Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit, Erinnerungsfähigkeit, Sprache) keine signifikanten Verbesserungen. Der letzte Teilbereich, die räumliche Orientierung, verbesserte sich im Verlauf der Behandlung (P=0,007).

Depressive Symptome

  • Gegenüber dem Ausgangswert des mittleren GDS±SEM-Scores (2,1±0,3) wurde kein signifikanter Anstieg nach 6 Monaten (2,8±0,4) oder 1 Jahr (2,7±0,5) beobachtet (P=0,29).
  • Bei einem Grenzwert von ≥6 (Scores unter diesem Wert waren nicht von klinischer Bedeutung) war ein signifikanter Anstieg der klinisch bedeutsamen GDS-Scores festzustellen. Ein größerer Anteil der Patientinnen hatte klinisch signifikante depressive Symptome nach 6 Monaten (28,6%) und 12 Monaten (28,6%) im Vergleich zum Ausgangswert (10,7%; P=0,02).

Symptome von Schlaflosigkeit

  • Beim mittleren Athens±SEM-Score nach 6 Monaten (2,8±0,4) und 1 Jahr (3,1±0,5) zeigte sich kein signifikanter Anstieg gegenüber dem Ausgangswert (2,9±0,4; P=0,72).
  • Es gab signifikante Erhöhungen der Athen-Scores, die bei einem Grenzwert von ≥6 klinisch bedeutsam waren (Scores unter diesem Wert waren nicht von klinischer Bedeutung). Ein größerer Anteil der Patientinnen hatte klinisch signifikante Schlaflosigkeitssymptome nach 6 Monaten (32,1%) und 12 Monaten (37,5%) im Vergleich zum Ausgangswert (17,9%; P=0,001).

Einschränkungen

  • Unkontrolliertes Beobachtungsdesign.
  • Monozentrische Studie.
  • Kleine Fallzahl.