„Breakthrough Therapies“ werden in den USA nach durchschnittlich sieben Monaten zugelassen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Therapeutika, die in den USA als „Breakthrough Therapy“ nach einem beschleunigten Zulassungsverfahren auf den Markt kommen, beruhen im Vergleich zu Genehmigungen im Normalverfahren häufiger auf nicht randomisierten, nicht verblindeten oder schlecht kontrollierten Zulassungsstudien mit einer vergleichsweise kleinen Zahl von Patienten.

Hintergrund

Die Zulassung neuer Arzneimittel ist ein Balanceakt zwischen dem Bestreben nach größtmöglicher Sicherheit und der möglichst schnellen Bereitstellung von Medikamenten gegen schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen. Im Jahr 2012 hat der Gesetzgeber dazu in den USA für die Zulassungsbehörde FDA die Möglichkeit geschaffen, besonders vielversprechende Wirkstoffe als „Breakthrough Therapy“ zu klassifizieren (in Europa gibt es seit 2016 für die hiesige Behörde EMA mit „Prime Fast Track“ ein ähnliches Programm). Beim Vorliegen vorläufiger klinischer Beweise, die eine substanzielle Verbesserung gegenüber bestehenden Therapien demonstrieren, kann seitdem der Zulassungsprozess abgekürzt werden.

Design

Erste systematische Auswertung der Evidenz für alle Zulassungen der FDA (bis Ende 2017), die als „Breakthrough Therapy“ klassifiziert wurden.

Hauptergebnisse

  • Zwischen 2012 und Ende 2017 hat die FDA auf der Basis von 89 Zulassungsstudien 46 Therapeutika als „Breakthrough Therapies“ zugelassen. Die wichtigsten Indikationen waren Krebs (54,3 %) und Infektionskrankheiten (17,4 %). 28 klassisch hergestellten Therapeutika standen 18 Biologika gegenüber.
  • Fast zwei Drittel der Zulassungen (65,2 %) betrafen Orphan Drugs für die Behandlung seltener Krankheiten. Mehr als die Hälfte (54,3 %) aller Zulassungen entfielen auf sogenannte „First-in-class“ Therapien, bei denen die jeweilige Arznei die erste aus einer neuen Wirkstoffgruppe für diese Indikation darstellte. In 87 % aller Fälle waren die USA das erste Land, welches eine Zulassung erteilte.
  • Median gab es nur eine Zulassungsstudie pro erteilter Genehmigung mit – ebenfalls median – 222 Patienten. 58,7 % der Studien waren randomisiert, 45,7 % doppel-blind und 21,7 % hatten als primäres Studienziel einen klinischen Endpunkt.
  • Die Entwicklungszeiten der neuen Therapien betrugen durchschnittlich etwa 5 Jahre, das Zulassungs- und Genehmigungsverfahren bei der FDA weniger als 7 Monate.

Klinische Bedeutung

Da auch die European Medicine Agency (EMA) Programme zur beschleunigten Zulassung innovativer Arzneimittel unterhält, ist ein Blick auf die Erfahrungen in den USA lehrreich. Dort werden viele Studien, die eine beschleunigte Zulassung begründen, nicht randomisiert, sie sind oft nicht adequat verblindet, haben keine Kontrollgruppe und/oder wurden nur mit einer kleinen Zahl von Patienten durchgeführt, monieren die Autoren. Dies könnte bei Ärzten und Patienten dazu führen, dass die Beweiskraft der Studien überschätzt wird, die die Urteile bei beschleunigten Zulassungsprogrammen begründen. Die von der FDA auferlegten Postmarketing-Studien werden zeigen wie groß der klinische Nutzen und die Sicherheit der neu zugelassenen Therapien in der Praxis sind.

Finanzierung: Keine Angaben.