Brachytherapie senkt das 10-Jahres-Metastasierungsrisiko kleiner Aderhautmelanome unter 10 Prozent


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine sehr große, wenn auch unizentrische Studie beziffert das Risiko für einen Visusverlust nach einer Brachytherapie bei kleinen Aderhautmelanomen auf knapp 50 Prozent. das Metastasierungsrisiko nach 10 Jahren beträgt 8,8 %.

Hintergrund

Das Aderhautmelanom ist mit einer jährlichen Inzidenz von ca. 1/100.000 der häufigste primäre Augentumor und wird, je nach Größe und Lokalisation, durch örtliche Bestrahlung, Resektion oder Enukleation behandelt. Die Bedeutung einer möglichst frühen Diagnose wird in der Literatur hervorgehoben. Allerdings gibt es wenige Daten zum Metastasierungsrisiko und der Auswirkung auf der Sehvermögen nach einer Brachytherapie kleiner Tumore.

Design

Retrospektive Analyse der Sehschärfe und Melanom-assoziierten Metastasierung bei 1780 konsekutiven Patienten am Will Eye Hospital der Thomas-Jefferson-Universität in Philadelphia.

Hauptergebnisse

  • Das mittlere Alter der Patienten bei der Diagnose betrug 58 Jahre, die Geschlechter waren fast gleich verteilt und der Großteil (98,4 %) war kaukasischer Abstammung. Eine Sehschärfe von mindestens 20/40 erreichten anfangs 1276 Patienten (71,7 %); das Mittel lag bei 20/40 (20/50) OE, der Median bei 20/30. Die Tumoren waren anfänglich im Mittel 8,8 Millimeter groß und 2,6 Millimeter dick.
  • Die Rate des Visus-Verlustes von mindestens drei Linien (Snellen) war nach einem Jahr 9,5 %; nach 5 Jahren 39,2 % und nach 10 Jahren 48,9 %. Zu diesen Zeitpunkten betrug der Anteil der Patienten mit schlechtem Visus (definiert als ≤20/200) 7,1 %; 38,2 % bzw. 53,5 %.
  • Der Anteil von Patienten mit Melanom-assoziierten Metastasen betrug nach 1 Jahr 0,2 %, nach 5 Jahren 4,5 %, und nach 10 Jahren 8,8 %. Dabei nahm das Risiko mit jedem Millimeter Größe bw. Dicke des Primärtumors zu. Unter den 35 Patienten mit einer Tumordicke unter 1,5 Millimeter bekam lediglich einer Metastasen.

Klinische Bedeutung

Zwar handelt es sich um die Daten nur eines Zentrums in den USA, dafür aber mit einer sehr großen Anzahl von Patienten. Dadurch liefern die berichteten Werte eine gute Grundlage, um Patienten über die zu erwartende Effektivität einer Brachytherapie bei kleinen Aderhautmelanome zu informieren. Ein Sehverlust bei annähernd 50 % der Patienten und ein Metastasierungsrisiko von 8,8 % nach 10 Jahren sind gleichzeitig auch ein Referenzwert für neuere Behandlungsmodalitäten wie die Protonentherapie und die hyperfraktionierte stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung mit Photonen.

Finanzierung: Eye Tumor Research Foundation.