Bluthochdruck: Statt Antihypertensiva ein bisschen Schwitzen und Darben

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  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Aktuelle Studien-Ergebnisse bekräftigen in Übereinstimmung mit vielen anderen Studien-Daten den großen Nutzen einer gesunden Lebensweise für Patienten mit Bluthochdruck. Mit der Kombination von gesunder Ernährung, Gewichtsreduktion und Sport kann der Blutdruck womöglich so stark gesenkt werden, dass auf Antihypertensiva verzichtet werden kann.

Hintergrund

Ein Nutzen einer gesunden Lebensweise in der Primärprävention des hohen Blutdrucks und in der Behandlung von Patienten mit Hypertonie ist in viele Studien gezeigt worden. Dabei geht es vor allem um eine Reduktion des Risikos von vaskulär bedingten Organschäden. Eine wichtige Rolle spielt zudem, aus medizinichen wie auch ökonomischen Gründen, der Bedarf an Antihypertensiva. Bei einem Kongress der „American Heart Association“  in Chicago (Joint Hypertension 2018 Scientific Sessions ) sind nun weitere Daten vorgestellt worden, die zeigen, was bei Bluthochdruck mit einer gesunden Lebensweise erreicht werden kann. Geprüft wurde in einer Studie der Nutzen eines 16-wöchigen Programms mit DASH-Diät (Obst,Gemüse magere Fleischsorten, vollwertige Getreide, Nüsse), Gewichts-Management und Sport. 

Design

An der 16-wöchigen Studie nahmen 129 übergewichtige oder adipöse Frauen und Männer (Alter: 40 bis 80) mit Blutdruck-Werten zwischen 130 und 160 sowie 80 und 99 mmHg teil, die keine Antihypertensiva einnahmen. Die Teilnehmer wurde drei Gruppen zugeordnet:

Gruppe A: DASH-Diät plus Gewichts-Management-Programm einschließlich Beratung zur Verhaltensänderung plus dreimal pro Woche Sport unter Aufsicht

Gruppe B: nur DASH-Diät 

Gruppe C: keine Änderung der Lebensweise.

Hauptergebnisse

  • In der Gruppe A (Diät, Gewichts-Management, Sport) sank innerhalb von 16 Wochen der Blutdruck um systolisch 16 und diastolisch um zehn mmHg.
  • In der Gruppe B (nur Diät) sank der Blutdruck um im Mittel elf (systolisch) und acht (diastolisch) mmHg.
  • In der Gruppe C nahm der Blutdruck deutlich weniger ab ( drei mmHg systolisch un vier mmHg diastolisch).
  • Nach 16 Wochen bestand bei 15 Prozent der Gruppe-A-Mitglieder eine Indikation für eine antihypertensive Therapie (gemäß den aktuellen US-Empfehlungen): In der Gruppe B betrug dieser Anteil 23 Prozent und in der Gruppe C wie zu Beginn der Studie weiterhin fast 50 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt andere Studien, die den Nutzen einer gesunden Lebenssweise bei Bluthochdruck untermauern. Nur ein Beispiel ist eine letztes Jahr publizierte Untersuchung zur DASH-Diät und Natrium-Reduktion („Journal of the American College of Cardiology“). Hauptergebnis der Studie mit rund 400 Bluthochdruck-Patienten war, dass mit einer Natrium-Reduktion plus DASH-Diät der systolische Wert deutlich gesenkt wurde, wobei der Effekt umso stärker war, je höher der Ausgangs-Wert des systolischen Blutdrucks war.

Bei der aktuellen Studie handelt es sich zwar um eine relative kleine Kohorten-Studie; dennoch sprechen die Ergebnisse dafür, bei übergewichtigen und adipösen Patienten mit Blutdruck-Werten zwischen 130 und 16 sowie 80 und 99 mmHg verstärkt auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zu setzen. 

Finanzierung: National Institutes of Health