Bluthochdruck: ein großes Problem, aber kein unlösbares


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Weltweit haben etwa 25 Prozent der Menschen zu hohen Blutdruck. Hochrechnungen könnten 2025 rund 1,5 Milliarden Menschen davon betroffen sein. Wie wichtig eine gute Blutdrucksenkung ist, bedarf sicher keiner ausführlichen Erläuterung. Die durch Bluthochdruck verursachten Endorganschäden gehören mit zu den weltweit häufigsten Ursachen von Behinderung und Tod, etwa infolge eines Schlaganfalls. Mehrere Studien haben auch Zusammenhänge zwischen hohem Blutdruck im mittleren Lebensabschnitt sowie späteren Demenz-Symptomen gezeigt. Erst kürzlich berichteten die Autoren einer Kohorten-Studie , dass erhöhte Blutdruck-Werte bei kognitiv asymptomatischen Menschen mittleren Alters vermutlich verbunden sind mit einem später reduzierten Gesamthirn-Volumen und Hippokampus-Volumen sowie vermehrten Schäden der weißen Substanz. Bereits bei jungen, zerebral asymptomatischen Menschen könne ein nur leicht erhöhter Blutdruck über 120/80 mmHg mit einer Abnahme der grauen Substanz einhergehen, so die Autoren einer anderen aktuellen Studie .

Beunruhigend ist, dass die primäre Hypertonie längst keine Erkrankung mehr ist, von der nur Erwachsene betroffen sind, sondern auch Kinder und Jugendliche. Die Prävalenz der Hypertonie habe bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren sogar zugenommen, berichteten vor wenigen Wochen die Autoren einer Metaanalyse . Die Auswertung der Studien ergab eine Zunahme der Hypertonie-Prävalenz von 2000 bis 2105 um 75 bis 79 Prozent. Mit zu den Hauptgründen dieser Entwicklung, auf die in den vergangenen Jahren Pädiater, Epidemiologen und Hypertonie-Spezialisten mehrfach hingewiesen haben, zählen auch bei Kindern und Jugendlichen Bewegungsmangel und Überernährung. 

Immer wieder beunruhigend sind auch Berichte über Nebenwirkungen von Antihypertensiva. Vergangenes Jahr zum Beispiel wurden Studien publiziert, nach denen Hydrochlorothiazid mit einem erhöhten Hautkrebs-Risiko assoziiert sei; eine weitere, Ende 2018 veröffentlichte Studie ergab einen Zusammenhang zwischen ACE-Hemmern und Lungen-Krebs. Nun schlussfolgern Autoren aus einer  Metaanalyse , dass, wie berichtet, möglicherweise Sartane mit einem im Vergleich zu ACE-Hemmern erhöhten Suizid-Risiko verbunden sind.

Berichte über mögliche Nebenwirkungen von häufig verordneten Arzneimitteln sind selbstverständlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, auch wenn solche Vermutungen als recht unbegründet erscheinen. Dennoch sollte, wie Hochdruck-Spezialisten kürzlich in einer Stellungnahme betont haben, „in Betracht gezogen werden, dass Antihypertensiva (insbesondere Diuretika und ACE-Hemmer) in zahlreichen placebokontrollierten Studien und Metaanalysen nicht nur kardiovaskuläre Ereignisse, sondern auch die Gesamtmortalität als härtesten Endpunkt signifikant gesenkt haben“. Anders formuliert: Das Nutzen-Risiko-Verhältnis spricht eindeutig für die Antihypertensiva. 

Allerdings sprechen nicht alle Bluthochdruck-Patienten auf die ihnen verordneten Antihypertensiva an, auch nicht auf mehrere Präparate mit unterschiedlichem Wirkmechanismus.  Bei Patienten, bei denen tatsächlich ein sogenannter therapieresistenter Bluthochdruck (und nicht eine schlechte Therapieadhärenz oder eine sekundäre Hypertonie) vorliegt, kann die Behandlung recht schwierig werden. Wie in solchen Fällen diagnostisch vorgegangen werden sollte und welche therapeutischen Optionen es gibt, erläutert - unter vielem anderem - der Internist und Nephrologe Dr. Egbert Schulz vom Nephrologischen Zentrum Göttingen in einer Online- Fortbildungsveranstaltung auf „Univadis“ .