Blutdruck und LDL-C auch bei recht jungen Menschen außerhalb der Zielwerte


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bluthochdruck und Dyslipidämie sind trotz vieler Aufklärungskampagnen und anderer Maßnahmen weiterhin verbreitet; außerdem werden die Zielwerte insbesondere bei hohem kardiovaskulären Risiko offenbar nur unzureichend erreicht.

Hintergrund

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in den Industrienationen. Wie bei allen chronischen Erkrankungen wird seit Jahren verstärkt auf Früherkennung und Prävention gesetzt. Einen Beitrag zur Optimierung von Präventionsstrategien könnte ein vom Arbeitgeber initiiertes Screening auf das kardiovaskuläre Risiko leisten.

Design

In einer Querschnittsanalyse wurde das kardiovaskuläre Risikoprofil von 1436 Arbeitnehmern des Industrieparks Frankfurt-Höchst analysiert. Der Altersdurchschnitt betrug 44,1 (± 10,2) Jahre. Das Gesamtrisiko wurde mit dem PROCAM-SCORE ermittelt.

Hauptergebnisse

  • 36 Prozent der Teilnehmer hatten eine Hypercholesterinämie (LDL-C >130 mg/dl.
  • Nur 23,7 % (n = 9/38) der Hochrisiko-Patienten hatten einen LDL-C-Wert im Zielwertbereich von unter 70 mg/dl.
  • 18,4 % (n = 7) hatten LDL-C-Werte zwischen 70 und 100 mg/dl und 
  • 57,9 % des Hochrisiko-Kollektivs (n= 22) hatten LDL-C-Werte von über 100 mg/dl. 
  • 53,2 % der Teilnehmer hatten erhöhte Blutdruckwerte (systolischer Blutdruck ≥140  mm Hg und/oder diastolisch ≥90  mm Hg). 
  • Die Diabetes-Prävalenz (Blutzucker: >126 mg/dl) betrug 1,3 %. 
  • Selten waren auch manifeste CV-Erkrankungen (1,4 % Myokardinfarkt oder Apoplex, 2,9 % stabile Angina pectoris oder pAVK).
  • Ein Drittel der Teilnehmer (n = 487) hatte ein sehr geringes Risiko (nach PROCAM), ein akutes Koronarereignis zu erleiden (10-Jahres-Risiko:
  • 44,4 % (n = 638) hatten zum Untersuchungszeitpunkt ein 10-Jahres-Risiko von 1–5 % für ein akutes Koronar-Ereignis. 
  • Ein sehr hohes 10-Jahres-Risiko (30 Prozent und mehr) hatten 0,5 % (n = 7).

Klinische Bedeutung

Die vorliegende Untersuchung zur Prävalenz von kardiovaskulären Risikofaktoren zeigt laut den Autoren, dass die empfohlenen Zielwerte auch bei relativ vielen Teilnehmern im jungen bis mittleren Alter nicht erreicht werden. Die Aussagekraft der Studie in Bezug auf das gesamte kardiovaskuläre Risikoprofil der Probanden sei allerdings limitiert. Ein Grund dafür ist den Autoren zufolge, dass nicht alle KHK-Risikofaktoren erfasst oder gemessen wurden, die empfohlen werden (etw. BMI, körperliche Bewegung, Ernährung). Darüber hinaus sei die Medikation der Teilnehmer nicht ermittelt worden, so dass unklar bleibe, welche Probanden bereits Lipid- und/oder Blutdrucksenker erhalten hätten. Es könne allerdings angenommen werden, dass die Hochrisiko-Patienten Statine erhielten. Eingeschränkt werde die Aussagekraft außerdem durch die fehlende Randomisierung und freiwillige Teilnahme der Probanden; dies könne zu einer Verzerrung der Daten geführt haben, da vorwiegend gesundheitsbewusste Arbeitnehmer derartige Screeningangebote annähmen. 

Trotz der Einschränkungen sprechen die Ergebnisse der Studie in Kombination mit den Resultaten anderer Studien für verstärkte Bemühungen um frühzeitige Aufklärung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit ausführlicher Beratung zur Verhaltensänderung. Diese sollten „ihren Ansatz in der Arztpraxis und in der Lebenswelt der Arbeit finden“. Unterstützend sollten gesellschaftspolitische Maßnahmen wie Rauchverbote in Krankenhäusern und Betrieben, Sport- und Fitnessangebote sowie gesündere Ernährungsangebote in den Betrieben integriert werden.

Finanzierung: Sanofi-Aventis (Industriepark-Hoechst)