Blutdruck und Hirn: Kohortenstudie spricht für frühzeitige RR-Kontrolle

  • The Lancet Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Erhöhte Blutdruck-Werte bei kognitiv asymptomatischen Menschen mittleren Alters gehen vermutlich im höheren Alter von rund 70 Jahren mit einem reduzierten Gesamthirn-Volumen und Hippokampus-Volumen sowie vermehrten Schäden der weißen Substanz einher. Erhöhter Blutdruck scheint jedoch nicht in einem Zusammenhang mit einer verstärkten Amyloid-Belastung zu stehen, wie sie für die Alzheimer-Erkrankung typisch ist. 

Hintergrund

Mehrere frühere, insbesondere retrospektive Studien haben Zusammenhänge gezeigt zwischen hohem Blutdruck im mittleren Lebensabschnitt sowie einer Jahre späteren Demenz und auch vermehrten zerebralen Amyloid-Plaques. Das Besondere der vorliegenden Studie ist nach Angaben der Autoren, dass in einer homogenen Population aus gleichaltrigen Personen prospektiv der Blutdruck zu definierten Zeitpunkten gemessen wurde und systematisch zerebrale Befunde erhoben wurden. 

Design

Ausgewertet wurden Daten von 465 kognitiv unauffälligen Teilnehmern einer britischen Langzeit-Beobachtungsstudie (INSIGHT 46), die alle 1946 geboren waren; 238 (51%) waren Männer; das Durchschnittsalter betrug 70,7 Jahre. Der Blutdruck wurde bei ihnen gemessen, als sie 36, 43, 53, 60 - 64 und 69 Jahre alt waren. Am Ende der Beobachtungsphase, bei einem Alter um 70, wurden Hirnvolumen und das Hippokampus-Volumen gemessen, außerdem das Ausmaß von Schäden der weißen Substanz sowie die Belastung mit Amyloid-Plaques. Zudem wurden die kognitiven Fähigkeiten untersucht, wobei ein Score verwendet wurde (PACC-Score: Preclinical Alzheimer Cognitive Composite).

Hauptergebnisse

  • Ein hoher systolischer und diastolischer Blutdruck bei 53-jährigen Teilnehmern und eine Zunahme des Blutdrucks zwischen den Jahren 43 und 53 waren mit mehr Schäden der weißen Substanz knapp 20 Jahre später assoziiert. Eine Zunahme des systolischen oder diastolischen Blutdrucks um 10 mmHg  während der Lebensjahre 43 und 53 war mit einer Zunahme der Schäden der weißen Substanz um sieben und 15 Prozent verbunden. 
  • Ein hoher diastolischer Blutdruck in einem Alter von 43 und zunehmende diastolische Blutdruck-Werte in der Lebensphase von 36 Jahren bis 43 Jahren waren mit einer Abnahme des Hirnvolumens assoziiert; eine Zunahme des diastolischen Wertes um 10 mmHg war im Laufe der Jahre mit einer Abnahme des Hirnvolumens um 6,9 ml assoziiert. 
  • Eine Zunahme des systolischen Wertes in der Lebensphase von 36 bis 43 Jahren war mit einem reduzierten Hippokampus-Volumen im höheren Alter verbunden (–0,03 ml pro Standardabweichung).
  • Weder der absolute Blutdruck-Wert noch eine Zunahme waren mit der Amyloid-Belastung im höheren Alter (69 - 71) und der kognitiven Leistung (PACC-Score) assoziiert. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass für einen optimalen Hirnschutz im Alter von rund 40 Jahren mit regelmäßigen Blutdruck-Kontrollen und therapeutischen Interventionen begonnen werden sollte. Limitiert wird die Aussagekraft der Studie unter anderem durch die Einschränkung auf britische Patienten eines einzigen Geburtsjahrs.

Finanzierung: Alzheimer’s Research UK, Medical Research Council, Dementias Platform UK, Wellcome Trust, Brain Research UK, Wolfson Foundation, Weston Brain Institute, Avid Radiopharmaceuticals.