Blockade des Interleukin-6-Rezeptors mit Tocilizumab verhindert Rückfälle bei Neuromyelitis optica

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Neuromyelitis optica-Spektrumerkrankungen (NMOSD) und einem hohen Rückfallrisiko profitierten in einer chinesischen Studie deutlich stärker von dem Interleukin-6-Rezeptorblocker Tocilizumab als von der etablierten Therapie mit Azathioprin. Nur 14 % hatten über 5 Jahre hinweg einen Rückfall.

Hintergrund

Zur Rezidivprophylaxe bei Patienten mit NMOSD wird das Immunsuppressivum Azathioprin empfohlen. In kleinen Fallserien hat sich aber auch Tocilizumab als wirksam erwiesen, ein humanisierter Antikörper gegen den Interleukin-6-Rezeptor.

Design

Offene, randomisierte Studie der Phase 2 an 6 Kliniken in China zum Vergleich der Sicherheit und Wirksamkeit von Tocilizumab gegen Azathioprin bei 118 Patienten mit hochgradig relapsierender NMOSD. Sie waren mindestens 18 Jahre alt, hatten einen Wert von maximal 7,5 auf der Expanded Disability Status Scale (EDSS) und mindestens 2 Rückfälle in den 12 Monaten davor oder 3 Rückfälle in den vergangenen 2 Jahren. Verabreicht wurden 8 mg/kg Tocilizumab alle 4 Wochen oder 2-3 mg Azathioprin täglich für eine minimale geplante Behandlungsdauer von 60 Monaten ab Randomisierung.

Ergebnisse

  • Die mediane Zeit bis zum ersten Rückfall betrug unter Tocilizumab 78,9 Wochen, unter Azathioprin waren es 56,7 Wochen (p = 0,026).
  • 14 % der Patienten unter Tocilizumab und 47 % unter Azathioprin hatten einen Rückfall, Das Chancenverhältnis HR betrug 0,236 (95%-Konfidenzintervall 0,107 – 0,518; p
  • Laut per Protokoll-Analyse blieben 89 % der Patienten unter Tocilizumab rückfallfrei, unter Azathioprin waren es 56 % (HR = 0,188; 95%-KI 0,076 – 0,463; p
  • Eine präspezifizierte Subgruppenanalyse für Patienten mit bzw. ohne Autoimmunerkrankungen fand ähnliche Wirksamkeitsunterschiede zwischen den beiden Präparaten, wie in der Gesamtanalyse.
  • Nebenwirkungen gab es bei fast allen Patienten: 97 % unter Tocilizumab, und 95 % unter Azathioprin. Solche, die mit der Behandlung zusammenhingen, waren bei 61 % unter Tocilizumab aufgetreten und bei 83 % unter Azathioprin.

Bedeutung

Die Informationen, die hier bei ausschließlich chinesischen Patienten gewonnen wurden, deuten auf eine höhere Wirksamkeit von Tocilizumab ohne Einbußen bei der Sicherheit. Die Autoren kommen deshalb zu dem Schluss, dass das Präparat eine weitere sichere und wirksame Behandlung sein könne, um Rückfälle bei Patienten mit NMOSD zu verhindern.

Finanzierung: Tianjin Medical University, Advanced Innovation Center for Human Brain Protection, National Key Research and Development Program of China, National Science Foundation of China.