Bleiwerte im Blut von Kindern korrelieren kaum mit kriminellem Verhalten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

In einer für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Population fanden neuseeländische Forscher kaum einen Zusammenhang zwischen der Bleiexposition im Kindesalter und späteren Verurteilungen vor Gericht.

Hauptergebnisse

Der durchschnittliche Blutwert für Blei lag bei den Elfjährigen bei 11,01 µg/dl. Insgesamt 27,8 % der Studienteilnehmer waren wegen einer Straftat verurteilt worden, 15,6 % waren Wiederholungstäter, und 9,6 waren gewalttätig. Im Selbstbericht sah man eine alterstypische Entwicklung der Häufigkeit von Straftaten mit Werten von 1,99 (15 Jahre), 4,24 (18 Jahre), 4,22 (21 Jahre) und 1,10 (38 Jahre) auf der zehnteiligen Bewertungsskala. Mit einer „Area Under the Curve“ von 0,58 erwiesen sich die Bleiwerte in der Kindheit als schlechter Prädiktor dafür, ob jemand verurteilt wurde oder nicht. Auch bei den anderen Straftatkriterien sahen die Forscher nur einen kleinen Zusammenhang mit den Bleiwerten. Bei der Vielfalt der Verbrechen im Selbstbericht war der Zusammenhang mit den Bleiwerten nur im Alter von 15 Jahren signifikant (P=0,02), nicht aber für die anderen fünf Altersstufen.

Design

  • Prospektive Studie mit 553 für die neuseeländische Bevölkerung repräsentativen Personen.
  • Gemessen wurden deren Blut-Bleiwerte im Alter von elf Jahren im Rahmen der Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study, anschließend wurde das kriminelle Verhalten bis zum Alter von 38 Jahren erfasst.
  • Studienziele waren die Verurteilungsrate insgesamt, für Einzeltaten und Wiederholungstaten, wegen gewalttätiger und nicht gewalttätiger Verbrechen, sowie die Vielfalt der Verbrechen (z.B. Vandalismus, Diebstahl, Betrug, Körperverletzung) im Selbstbericht im Alter von 15, 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren.
  • Finanzierung: US National Institute on Aging, UK Medical Research Council, Economic and Social Research Council, Jacobs Foundation, Avielle Foundation.

Klinische Bedeutung

Fest steht, dass Blei neurotoxisch wirkt. Unklar ist, ob die Exposition mit dem Schwermetall vor allem im Kindesalter das Risiko für kriminelles Verhalten erhöht oder ob die Bleiexposition lediglich einen Marker für einen niedrigen sozioökonomischen Status darstellt, der wiederum kriminelles Verhalten begünstigt. Die aktuelle Untersuchung überwindet eine mögliche Verzerrung (Confounding), indem sie eine für Neuseeland repräsentative Kohorte bezüglich Verurteilungen wegen Straftaten über einen längeren Zeitraum verfolgt. Dabei gab es keine Belege für eine Dosis-Wirkungsbeziehung, und es bleibt eine allenfalls noch schwache, statistisch nicht signifikante Korrelation zwischen kriminellem Verhalten und Bleiexposition in der Kindheit.