Blei-Exposition: Gefahren für Herz und Gefäße angeblich unterschätzt


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zwischen der Belastung durch Blei in der Umwelt und kardiovaskulären Todesfällen besteht ein enger Zusammenhang, dessen Bedeutung laut den Autoren bislang unterschätzt wurde.

Hauptergebnisse

Nach im Mittel 19,3 Jahren waren 4422 Teilnehmer gestorben, 1801 an einer kardiovaskulären Erkrankung und 988 an einer Herzerkrankung. Zu Beginn betrug die durchschnittliche Blei-Konzentration im Blut 2,7 µg/dl; das Spektrum reichte allerdings von unter 1 bis zu 56 µg/dl. Rund 20 Prozent (3632) hatten Werte von mindestens 5 µg/dl. Bei acht Prozent der Teilnehmer konnte mit dem verwendeten Test kein Blei im Blut nachgewiesen werden. Ihnen wurde ein Referenzwert von 0,7 µg/dl  zugeordnet.

Personen mit hohen Blei-Werten (6,7 µg/dl) haben im Vergleich zu Menschen mit geringen Werten (1 ug/dl) den Berechnungen der Autoren zufolge ein um 37 Prozent größeres Risiko für einen vorzeitigen Tod gleich welcher Ursache. Das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko ist um 70 Prozent erhöht, das Sterberisiko infolge einer ischämisch-bedingten Herzerkrankung verdoppelt. Der statistische Zusammenhang war auch dann noch vorhanden, wenn Parameter wie Nikotin-Abusus, Bluthochdruck und Cholesterin-Spiegel bei den Berechnungen berücksichtigt wurden.

Aufgrund weiterer Berechnungen schätzen die Autoren, dass fast 29 Prozent der in einem Jahr aufgetretenen vorzeitigen kardiovaskulären Todesfälle in den USA (256.000/ 892.000) mit der Blei-Belastung zusammenhängen, darunter 185.000 Todesfälle infolge einer myokardialen Ischämie.

Design

Die Autoren haben Daten von 14.289 Personen der „Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES-III)“ ausgewertet, die zwischen 1988 und 1994 mindestens 20 Jahre alt waren. Die Beobachtungsdauer ging bis 2011. Die Teilnehmer wurden mehrfach medizinisch untersucht, auch auf die Blei-Konzentration im Blut. Finanzierung: Artemis Fund und Simon Fraser University.

Klinische Bedeutung

Blei ist als Ursache und Risikofaktor für Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen seit Jahren bekannt. Nach Angaben der Autoren ist allerdings auch eine sehr niedrige Umwelt-Belastung mit Blei ein wichtiger, aber kaum beachteter kardiovaskulärer Risikofaktor. Eine Hauptschlussfolgerung sei, dass die kardiovaskulären Risiken durch Blei größer seien als bislang angenommen, so auch der US-Wissenschaftler Professor Philip Landrigan (Icahn School of Medicine at Mount Sinai) in einem Begleit-Kommentar Zu den Bemühungen zur Prävention kardiovaskulärer Krankheiten sollten daher auch Maßnahmen zur Reduktion der Blei-Belastung gehören, fordern die Autoren. Ein Schritt in diese Richtung war die Einführung von bleifreiem Benzin vor mehreren Jahren. Denn bis dahin war der Straßenverkehr die Hauptquelle für die Umweltbelastung mit Blei. Auch heute noch ist der Straßenverkehr laut Bundesumweltamt   die größte Emissionsquelle, da Blei durch den Abrieb von Bremsen und Reifen in die Luft emittiert werde. Die Abschaffung des Verbrennungsmotors allein würde demnach dieses Problem nicht lösen. Notwendig wäre wahrscheinlich auch eine Reduktion des PKW- und LKW-Verkehrs.