Bildgebungsdaten könnten Progressionsgefahr bei der altersbedingten Makuladegeneration anzeigen

  • JAMA Ophthalmology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Bei Patienten mit einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD), die bereits eine Anti-VEGF-Therapie erhalten, korrelieren die Gesamtfläche und der Reflexionsgrad der Drusen signifikant mit der Gefahr einer Progression zur feuchten AMD im unbehandelten Auge.

Hintergrund

Die trockene Form der AMD geht bei etwa 15 % der Patienten in die feuchte (exsudative, neovaskuläre) Form über, die unbehandelt schneller zu einem Visusverlust führen kann. Unklar ist aber, welche Merkmale der Bildgebung oder sonstige Faktoren zu Beginn der Krankheit helfen könnten, das individuelle Risiko für die Progression und Konversion zur neovaskulären AMD abzuschätzen.

Design

Post hoc-Sekundäranalyse zu einer multizentrischen Vergleichsstudie von 24 Monaten Dauer (HARBOR) bei 686 anfänglich noch nicht betroffenen Augen von AMD-Patienten, die sekundär eine Neovaskularisation der Choroidea entwickelt hatten. Diese Patienten waren im Durchschnitt 78,12 Jahre alt und zu 59,2 % weiblich; sie hatten in den 4 Studienarmen den Anti-VEGF-Antikörper Ranibizumab in unterschiedlicher Dosierung und Häufigkeit erhalten. Bei ihnen wurde durch automatischen Extraktion der Daten aus der optischen Kohärenztomographie bestimmt, ob Drusen präsent waren; falls ja, wurdem  deren Anzahl, Ausmaß, Dichte und relative Reflektivität gemessen. Außerdem wurde eine genetische Analyse zum Einfluss von 34 Einzelnukleotidpolymorphismen (SNPs) durchgeführt.

Ergebnisse

  • In der HARBOR-Studie konvertierten 22,4 % der anfänglich nicht betroffenen Augen zur neovaskulären AMD.
  • Die Forscher fanden einen signifikanten Zusammenhang mit dem weiblichen Geschlecht. Das Chancenverhältnis HR betrug hier 1,57 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,11 – 2,20 (P = 0,009).
  • Nach Adjustierung für demographische und therapeutische Effekte ergab sich eine signifikante Korrelation mit zwei Parametern der Bildgebung: Der Gesamtfläche von Drusen in einem Radius von 3 Millimetern um die Fovea (HR 1,45; 95%-KI 1,24 – 1,69; mit einem HR je Standardabweichung von 1,36), sowie der durchschnittlichen Reflektivität der Drusen (HR 3,97; 95%-KI 1,11 – 14,18; mit einem HR je Standardabweichung von 1,32).
  • Unter den 34 analysierten SNPs fand sich eine genetische Variante, deren Präsenz mit der Konversion zur feuchten AMD korrelierte: rs61941274 auf Chromosom 12, welche möglicherweise die Oxidation von Fettsäuren beeinflusst. Über diese Variante war bereits im Jahr 2016 im Zusammenhang mit der AMD berichtet worden, sie ist bislang in der Datenbank aber nicht als klinisch signifikant annotiert.

Klinische Bedeutung

Neben dem weiblichen Geschlecht scheinen zwei Parameter der Drusenbildung mit der Entwicklung der neovaskulären Form der AMD zu korrelieren, auch wenn das eine Auge bereits mit einer Anti-VEGF-Therapie behandelt wird. Inwiefern diese Erkenntnis eine aggressivere Behandlung besonders gefährdeterPatienten rechtfertigen würde, ist unklar. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass ihre Daten aus einer klinischen Studie mit einer relativ kleinen Zahl von Teilnehmern stammen und möglicherweise nicht auf die tatsächlich betroffene Population übertragbar sind.

Finanzierung: Genentech/Roche.