Bildgebende Diagnostik: Noch ist unklar, ob Künstliche Intelligenz besser als der Mensch ist

  • The Lancet Digital Health

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Künstliche Intelligenz (KI) ist einer Metaanalyse zufolge bei der bildgebenden Diagnostik Ärzten möglicherweise ebenbürtig. Allerdings ist die Zahl der verwertbaren qualitativ hochwertigen Studien noch gering. Außerdem haben viele Studien einen sehr experimentellen Charakter, so dass ihre Ergebnisse nicht 1 zu 1 auf den klinischen Alltag übertragen werden können.

Hintergrund

Studien zum möglichen Nutzen von KI in der Medizin sind in den vergangenen Monaten mehrere erschienen. Als groß gilt das Potenzial der KI zum Beispiel in der Diagnostik. Dies gilt etwa für die bildgebende Diagnostik des Bronchial-Karzinoms oder auch die histopathologische Diagnostik. Ob die Leistungsfähigkeit der KI allerdings tatsächlich schon so groß ist, wie der „Hype“ dazu suggeriert, ist noch unklar.

Design

Systematischer Review und Metaanalyse; für den Review wurden 82 Studien herangezogen, von denen allerdings nur 69 genügend Daten für präzise Berechnungen der Testleistung enthielten; in die Metaanalyse wurden 25 Studien aufgenommen; 14 Studien enthielten Vergleiche der Leistungsfähigkeit von KI und Ärzten bei identischen Stichproben und konnten ausgewertet werden.

Hauptergebnisse 

  • Die Auswertung dieser 14 Studien ergab eine Sensitivität der KI von 87,0 Prozent und eine Spezifität von 92,5 Prozent.
  • Die Ärzte erzielten eine Sensitivität von 86,4 und eine Spezifität von 90,5 Prozent.

Klinische Bedeutung

Ein grundsätzliches Problem ist, wie die Autoren selbst betonen, die geringe Zahl qualitativ hochwertiger Studien. Die Aussagekraft der Metaanalyse wird zudem durch mehrere methodische Probleme eingeschränkt. So hätten zum Beispiel die Ärzte in den meisten Studien für ihre Diagnose keine weiterführenden klinischen Informationen erhalten, wie es im Versorgungsalltag üblich sei. Zudem hätten in manchen Studien relevante Daten gefehlt. Trotz der Fortschritte auf dem Gebiet der KI gilt ärztliche Erfahrung als weiterhin unverzichtbar. 

Finanzierung: Für die wissenschaftliche Arbeit, an der Forscher mehrerer Kliniken und Institutionen beteiligt waren, gab es keine gesonderte Unterstützung.