Beziehungen zwischen Luftverschmutzung, Demenz und Herzerkrankungen präzise quantifiziert

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Kombination medizinischer Daten aus einer Kohortenstudie und die Berechnung der Luftverschmutzung bis auf die Ebene einzelner Adressen bilden die Grundlage für eine präzise Abschätzung der Assoziationen und Mediatoren von Luftverschmutzung und Demenz.

Hintergrund

Mehrere Studien haben versucht, den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Demenz aufzuklären. Allerdings gab es kein eindeutiges Ergebnis, und der potenzielle Einfluss von kardiovaskulären Erkrankungen auf diese Assoziation ist unklar.

Design

Die Daten für diese Kohortenstudie wurden einer laufenden Untersuchung entnommen, der Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen, für die Ausgangswerte von 2927 zufällig ausgewählten Einwohnern ab 60 Jahren (Durchschnitt 74,1, Frauenanteil 63%) aus dem Kungsholmen-Distrikts in Stockholm vorlagen. Sie hatten anfänglich (2001 – 2004) keine Demenz und wurden über eine mediane Nachverfolgungszeit von 6,01 Jahren bis 2013 beobachtet. Den Demenzraten wurden die jährlich seit 1990 erhobenen Konzentrationen zweier wichtiger Luftschadstoffe gegenübergestellt: Feinstaub mit einer Partikelgröße bis maximal 2,5 µm (PM2,5) und Stickoxide (NOx), hochgerechnet anhand von Dispersionsmodellen auf die Adressen der Studienteilnehmer.

Ergebnisse

  • Unter den Studienteilnehmern erkrankten 364 neu an einer Demenz. Das Chancenverhältnis HR dafür vergrößerte sich mit jedem Quartil der über die letzten 5 Jahre gemittelten Luftschadstoffe um bis zu 50%. Die entsprechenden HR betrugen:
    • 1,54 für eine Differenz von jeweils 0,88 µg/m3 Feinstaub (95%-Konfidenzintervall 1,33 – 1,78)
    • 1,14 für eine Differenz von jeweils 8,35 µg/m3 Stickoxide (95%-KI 1,01 – 1,29)
  • Die kardiovaskuläre Erkrankungen vergrößerten auch das Demenzrisiko, und zwar bei:
    • Herzversagen HR für Feinstaub 1,93 (95%-KI 1,54 – 2,43)
    • Herzversagen HR für Stickoxid 1,43 (95%-KI 1,17 – 1,75)
    • Ischämische Herzkrankheiten HR für Feinstaub 1,67 (95%-KI 1,32 – 2,12)
    • Ischämische Herzkrankheiten HR für Stickoxide 1,36 (95%-KI 1,07 – 1,71)
  • Vermittelt wurde das Risiko gemäß den Berechnungen der Forscher überwiegend durch Schlaganfälle, die sie für 49,4 % der durch die Luftverschmutzung bedingten Demenzerkrankungen verantwortlich machen.

Bedeutung

Die Studie ergab, dass eine langfristige Exposition gegenüber Luftschadstoffen mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert ist. Die Assoziation wird offenbar beim Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung gestärkt; ein wichtiger Mediator scheint dabei der Schlaganfall zu sein.

Finanzierung: Geldgeber der Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen, Schwedisches Gesundheitsministerium, Schwedischer Forschungsrat und andere öffentliche Mittel.