Beta-Thalassämie: CRISPR/Cas9 Gentherapie-Studie zeigt erste Erfolge

  • Universitätsklinikum Regensburg

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Universitätsklinikum Regensburg bestätigt, dass eine 20-jährige Beta-Thalassämie-Patientin erstmalig mit der sogenannten Genschere CRISPR/Cas9 behandelt wurde. Die ersten Zwischenergebnisse der internationalen CTX001-Stammzelltherapie-Studie lassen die Ärzte hoffen, ein Therapieansatz zur Behandlung von Beta-Thalassämie gefunden zu haben. Insgesamt sollen in sechs Studienzentren weltweit (USA, Kanada, Europa) 45 Patienten mit Beta-Thalassämie mittels CRISPR/Cas9 therapiert und nachbetreut werden.

Hintergrund

Die Beta-Thalassämie beruht auf einer genetisch bedingten Hämoglobinbildungsstörung. Hämoglobin besteht aus zwei verschiedenen Eiweißketten, der alpha- und der beta-Kette. Bei der Beta-Thalassämie wird die beta-Kette entweder nur sehr reduziert gebildet oder sie fehlt ganz. In der Folge kann nicht ausreichend Sauerstoff über die Blutkörperchen in den Körper transportiert werden, wodurch Patienten an Sauerstoffmangel leiden.

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist deutschlandweite das einzige Zentrum, das eine CRISPR/Cas9-basierte Gentherapie für die Sichelzellerkrankung anbietet und nun an der internationalen Therapieerforschung zur Beta-Thalassämie teilnimmt.

Hierzu haben sich die Unternehmen CRISPR Therapeutics und Vertex Pharmaceuticals Incorporated zusammengeschlossen, um mit sechs internationalen Studienzentren die CRISPR/Cas9 basierte Gentherapie bei Beta-Thalassämie-Patienten zu erforschen.

Erprobung des CRISP/Cas9-Verfahren bei Beta-Thalassämie-Patienten

In die CTX001-Stammzelltherapie-Studie (NCT03655678) sollen 45 Beta-Thalassämie-Patienten eingeschlossen werden. Dabei werden den Patienten blutbildende Stammzellen entnommen, welche anschließend in einem Labor, ex vivo, durch das CRISPR/Cas9-Verfahren bearbeitet werden. Bevor die so editierten Zellen dem Patienten wieder eingesetzt werden können, wird bei diesem, wie bei einer Stammzelltransplantation üblich, durch eine Chemotherapie das Knochenmark zerstört. Der Patient erhält im Anschluss seine genveränderten Zellen wie bei einer Bluttransfusion. Die neuen Blutstammzellen siedeln sich in den Markhöhlen der Knochen an und beginnen dort funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. Das erspart ansonsten notwendigen, aber auf Dauer schädlichen Bluttransfusionen.

Durch die Genomeditierung wird dabei keiner der zugrunde liegenden Gendefekte korrigiert. Stattdessen wird ein alternatives Hämoglobingen aktiviert, wodurch die manipulierten Zellen sogenanntes fetales Hämoglobin produzieren können, das den Sauerstofftransport übernimmt.

Erste Erfolge absehbar

Bislang konnten Beta-Thalassämie-Patienten nur durch Stammzelltransplantation geheilt werden. Wurde kein geeigneter Spender gefunden, wurden Patienten mittels Bluttransfusionen behandelt, die weitreichende Nebenwirkungen aufweisen.

Die Beta-Thalassämie-Patientin, die nun weltweit erstmalig am UKR mit dem CRISPR/Cas9 behandelt wurde, ist 20 Jahre alt und erhielt im Schnitt 16 Bluttransfusionen jährlich. Vor neun Monaten wurden die Blutstammzellen der Patientin nun durch das CRISPR/Cas9-Verfahren genetisch verändert. Sie ist bis heute transfusionsfrei und weist aktuell normale Blutwerte auf.

„Diese ersten Zwischenergebnisse stimmen uns sehr positiv“, führt Professor Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation sowie Studienleiter am UKR, aus. „Für Patienten, denen keine kurative Alternative angeboten werden kann, würde diese Therapieform die Heilung von einer schrecklichen Krankheit bedeuten.“ Es bleibt abzuwarten, ob die Patientin ein Einzelfall bleibt, oder ob die Studie einen generellen Therapieansatz zur Heilung von Beta-Thalassämie aufweist.

Finanzierung: Vertex Pharmaceuticals Incorporated