Bestimmung der kalkulierten Tumorfläche soll eine genauere Prognose beim Melanom ermöglichen

  • JAMA Dermatology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die Vermessung kutaner Melanome in zwei Dimensionen hat offenbar eine höhere prognostische Wertigkeit als die eindimensionale Bestimmung der Dicke nach Breslow.

Hintergrund

Die Tumordicke nach Breslow ist ein etablierter Surrogatmarker, um die Prognose von Patienten mit einem Melanom anhand der Größe ihrer Tumoren zu beurteilen. Die Messung erfolgt allerdings nur in einer Dimension, und die Vermutung liegt nahe, dass die zweidimensionale Ausdehnung eine genauere Prognose ermöglichen könnte.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit den Daten von 1239 Patienten, denen in zwei britischen Klinikverbünden (Leicester und Nottingham) ein Melanom diagnostiziert wurde. Anhand des Tumorgewebes und der klinischen Daten der ersten Kohorte wurde ein neuer Parameter bestimmt, die kalkulierte Tumorfläche (CTA), dessen Wertigkeit dann für die zweite Kohorte validiert wurde. Die CTA wurde anhand der gleichen Gewebeproben bestimmt wie die Breslow-Dicke und beziffert die Fläche invasiver Melanomzellen in Quadratmillimetern. Diesem Wert gegenübergestellt wurde das Melanom-spezifische Überleben.

Ergebnisse

  • Die CTA wird bestimmt anhand jenes Gewebeschnittes mit den am tiefsten eingedrungenen Melanomzellen, der die gesamte Tumorbreite umfasst. Die zu bestimmende Fläche wird begrenzt durch das kleinste Rechteck, das alle invasiven Melanomzellen umschließt. Der darin enthaltene Prozentsatz invasiver Zellen wird geschätzt und mit den Dimensionen des Rechtecks multipliziert.  
  • Bei den 918 Patienten der Entwicklungskohorte (Leicester) erwies sich die CTA nach Adjustierung für Breslow-Dicke, Alter, Geschlecht, Mitoserate und Mikrosatelliten als unabhängiger prognostischer Faktor. Das Chancenverhältnis HR betrug 1,87 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,49 – 2,34 (P
  • Die Validierung an 321 Patienten aus der zweiten Kohorte ergab ein HR von 1,55 (95%-KI 1,15 – 2,09; P = 0,005).
  • Mit unterschiedlichen statistischer Methoden (multivariable Analyse, Bootstrapping-Verfahren etc.) wurde die Bedeutung der CTA gegenüber der Breslow-Dicke untersucht, und deren Überlegenheit bestätigt. Wurden die Melanome nach CTA stratifiziert, so ergab dies eine bessere Trennung der Überlebenskurven als nach Breslow-Dicke.

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt nach Ansicht der Autoren, dass die errechnete Tumorfläche beim Melanom ein unabhängiger histologischer Parameter von prognostischem Wert sein könnte, der einfach, schnell und mit geringen Kosten zu bestimmen wäre. Allerdings seien weitere Studien nötig, um dessen Validität zu prüfen und herauszufinden wie solche am Besten in die klinische Versorgung zu integrieren wäre.

Finanzierung: British Skin Foundation, Hope Foundation, Pathological Society of Great Britain and Ireland, Cancer Research UK.