Bestätigung für Hemmung von IL-6 und Blutplättchen bei schwerem COVID-19

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die gleichen Interventionen, die kurzfristig die Mortalität bei kritisch kranken Patienten mit COVID-19 senken, erweisen sich auch über einen Zeitraum von 180 Tagen als wirksam. In der internationalen Studie REMAP-CAP sank die Mortalität mit Interleukin-6-Rezeptor-Antagonisten um etwa ein Viertel, und durch Blutplättchenhemmung um 15 %.

Hintergrund

In den 3 Jahren der COVID-19-Pandemie wurden bei kritisch erkrankten Patienten eine Vielzahl von Therapien erprobt. Deren langfristige Wirkung sei aber noch unbekannt, schreibt das Konsortium der REMAP-CAP-Investigatoren.

Design

Präspezifizierte Sekundäranalyse der noch laufenden Plattform-Studie REMAP-CAP, bei der 4869 erwachsene, kritisch an COVID-19 Erkrankte, dokumentiert wurden. In der vorliegenden Arbeit handelt es sich um Patienten, die zwischen 9. März 2020 und 22. Juni 2021 in 197 Einrichtungen in 14 Ländern in die Studie aufgenommen und über 180 Tage nachverfolgt wurden. Sie hatten jeweils mindestens eine Intervention in 6 Behandlungsbereichen bekommen, nämlich Immunmodulatoren (n = 2274), Konvaleszenten-Plasma (n = 2011), Blutplättchenhemmung (n = 1557), Antikoagulation (n = 1033), antivirale Substanzen (n = 726) und Kortikosteroide (n = 401). Verbessertes Überleben wurde beim Chancenverhältnis HR durch einen Wert unter 1 dargestellt, die Grenze zur Nützlichkeit (futility) war definiert als eine Verbesserung von weniger als 20 % was einem HR > 0,83 entspricht.

Ergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 59,3 Jahre; 67,9 % waren Männer. Von den 4107 (84,3 %), deren Vitalstatus bekannt war, waren 2590 (63,1 %) nach einem halben Jahr am Leben.
  • Am höchsten war mit 99,9 % die Wahrscheinlichkeit für ein verbessertes 6-Monats-Überleben mit Interleukin-6-Rezeptor-Antagonisten. Hier betrug die adjustierte HR 0,74 (95%-Konfidenzintervall 0,61 – 0,90). Für die Blutplättchenhemmung betrug die Wahrscheinlichkeit eines besseren Überlebens 95 % bei einem aHR von 0,85 (95%-KI 0,71 – 1,03).
  • Mindestens 96 % war die Wahrscheinlichkeit, dass eine Antikoagulation (HR 1,13; 95%-KI 0,93 – 1,42) keinen Nutzen hatte, ebenso Konvaleszenten-Plasma (HR 0,99; 95%-KI 0,86 – 1,14) und die antiretrovirale Medikamentenkombination Lopinavir-Ritonavir (HR 1,06; 95%-KI 0,82 – 1,38).
  • Als vermutlich schädlich stuften die Forscher Hydroxychloroquin ein (HR 1,51; 95%-KI 0,98 – 2,29), und dessen Kombination mit Lopinavir-Ritonavir (HR 1,61; 95%-KI 0,97 – 2,67).
  • Kortikosteroide hatten frühzeitig einen prädefinierten Wert erreicht, der anzeigte, dass bei verschiedenen Dosierungen eine ca. 60-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein verbessertes Halbjahresüberleben bestand.

Klinische Bedeutung

Die anfängliche Ratlosigkeit im Umgang mit schwer erkrankten COVID-19-Patienten ist dank einer Vielzahl von randomisierten Studien mittlerweile überwunden. Das internationale Konsortium REMAP-CAP (Randomized Embedded Multifactorial Adaptive Platform for Community Acquired Pneumonia) hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet, der sich mittlerweile auch in die Leitlinien niedergeschlagen hat. Die aktuelle Publikation verleiht den ursprünglichen Befunden zusätzliche Sicherheit, da sie die Wirksamkeitsdauer der Interventionen bis zu einem halben Jahr dokumentiert.

Finanzierung: EU und zahlreiche öffentliche Einrichtungen in den beteiligten Ländern, sowie Amgen und Eisai.