Bessere Vorhersage der Darmkrebs-Prognose durch standardisierte Messungen der Immunantwort


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Aus Art und Umfang der Infiltration von Darmtumoren mit Immunzellen lässt sich ein Immunscore ableiten. Dieser erlaubt eine genauere Vorhersage von Rezidiven, als das gegenwärtige TNM-System.

Hintergrund

Um das Risiko von Rezidiven für Patienten mit Darmkrebs abzuschätzen, sind anatomische bzw. histologische Kriterien nicht optimal. Nach Ansicht vieler Experten sollten deshalb immunologische Parameter stärker als bisher in die Klassifikation der Tumoren einfließen. Die Society for Immunotherapy of Cancer (SITC) hat daher ein internationales Konsortium initiiert, das einen anhand der Infiltrate von T-Lymphozyten insgesamt und von cytotoxischen T-Lymphozyten im speziellen abgeleiteten Wert („Immunscore“) auf seine Tauglichkeit überprüft hat, die Prognose zu verbessern.

Design

Überprüfung der Wertigkeit eines Immunscores, basierend auf der Invasion des Tumors und seines Randes durch CD3-positive - und CD8-positive Immunzellen, durch ein internationales Konsortium von Experten aus 13 Ländern. Kriterium war der prognostische Wert für die Zeit von der Operation bis Auftreten eines Rezidivs. Dazu wurden Gewebeproben von 3539 Patienten mit Darmkrebs der Stadien 1 - 3 entnommen und die Werte für 2681 Personen bestimmt. Im Trainingsmodul wurden die Proben von 700 Patienten genutzt, für die interne Validierung 636 und weitere 1345 für die externe Validierung.

Hauptergebnisse

  • Die Reproduzierbarkeit des Assays zwischen den Prüfern und den Zentren war mit r=0,97 sehr hoch.
  • Es gab ein inverses Verhältnis zwischen dem Immunscore und dem Risiko von Rezidiven nach 5 Jahren. Das geringste Risiko für Rezidive nach 5 Jahren hatten im Trainingsset mit 8 % die Patienten mit einem hohen Immunscore, bei einem mittleren Wert betrug das Risiko 19 %, und bei einem niedrigen Immunscore 32 %. das Chancenverhältnis HR für ein Rezidiv betrug zwischen hohen und niedrigen Werten 0,20 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,10 – 0,38 (p<0,0001). Dieser Befund wurde in beiden Validierungskohorten bestätigt.
  • In der stratifizierten Cox multivariablen Regressionsanalyse erwies sich der Immunscore als unabhängig vom Alter, Geschlecht, T- und N-Stadium der Tumoren, Mikrosatelliten-Instabilität und existenter prognostischer Faktoren (p<0,0001).
  • Der Immunscore leistete im Verhältnis zu allen klinischen Parametern den höchsten Beitrag zur Bestimmung des Risikos, auch gegenüber der Klassifizierung der Union for International Cancer Control nach TNM.

 

Klinische Bedeutung

Die Studie stellt nach Ansicht der Kommentatoren Shuji Ogino und Marios Giannakis (Boston) einen großen Schritt in Richtung standardisierter Messung der Immunantwort gegen solide Tumore da. Die Autoren schlagen vor, die Einteilung des Darmkrebs gemäß TMN-Klassifikation um den Immunscore zu erweitern, was auch sinnvoll erscheint. Damit ließe sich nicht nur die Prognose verbessern, sondern möglicherweise auch die Identifikation jener Patienten, die von adjuvanten Therapien profitieren würden. Im Zuge einer angepassten Nachsorge könnte die Erhebung des Immunscore womöglich auch langfristig die Behandlungsergebnisse verbessern.

Eine Einschränkung ist, dass es bei ca. 10 % der Patienten nicht gelungen ist, brauchbare Proben zu gewinnen. Ungeklärt ist zudem, mit welchen Kosten die großflächige Einführung des Tests verbunden wäre. Das Prinzip aber ist überzeugend und wird gegenwärtig auch bei anderen Krebsformen auf seinen Nutzen getestet.

Finanzierung: French National Institute of Health and Medical Research, LabEx Immuno-oncology, Transcan ERAnet Immunoscore European project, Association pour la Recherche contre le Cancer, CARPEM, AP-HP, Institut National du Cancer, Italian Association for Cancer Research, Nationale Forschungsstipendien und Society for Immunotherapy of Cancer.