Berufsbedingte Infektionen nach wie vor ein Risiko für medizinisches Personal

  • Der Internist

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Berufsbedingte Infektionen sind auch weiterhin ein Risiko für Ärzte, Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal - und damit auch eine Gefahr für Patienten.

Hintergrund

Medizinisches Personal hat bekanntlich ein erhöhtes Infektionsrisiko und kann Infektionen auf Patienten übertragen. Bei der zugehörigen Berufskrankheit handelt es sich um die BK 3101. Laut Daten aus den USA sterben jährlich von einer Million medizinischer Beschäftigter ungefähr 9 – 42 Mitarbeiter an arbeitsbedingten Infektionen. Die nosokomiale und arbeitsbedingte Infektionsübertragung ist jedoch nach Angaben von Professorin Dr. Sabine Wicker (b etriebsärztlicher Dienst, Universitätsklinikum Frankfurt), der Autorin der vorliegenden Publikation, ein oft unterschätztes Problem im klinischen Alltag. In der aktuellen Studie sollte nun unter anderem ermittelt werden, wie h äufig in Deutschland Verdachtsmeldungen berufsbedingter Infektionen und anerkannter Berufskrankheiten sind.

Design

Literaturrecherche unter besonderer Berücksichtigung von Daten der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) zu arbeitsbedingten Infektionen des medizinischen Personals. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist der gesetzliche Unfallversicherungsträger für nichtstaatliche Einrichtungen im Gesundheitswesen und deckt etwa 50 % der Fälle der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur BK 3101 ab. 

Hauptergebnisse

  1. Die Zahl an arbeitsbedingten Infektionen verringerte sich in den letzten 22 Jahren. Maßgeblich hierfür war eine geringere Zahl von blutübertragbaren Infektionskrankheiten.
  2. Laut dem BK-Monitoring-Bericht der DGUV sind im Jahr 2017 Infektionskrankheiten die fünfthäufigste Berufskrankheit gewesen. Mit einem Anteil von 2,6 % an allen bestätigten Berufskrankheiten sei die Fallzahl im Vergleich zu den Hauterkrankungen und der Lärmschwerhörigkeit sowie der Asbestose zwar relativ klein, es handele sich jedoch um immerhin 996 bestätigte BK 3101-Fälle, berichtet Sabine Wicker.
  3. Für 2017 gingen bei der BGW insgesamt 977 meldepflichtige BK 3101-Verdachtsfälle ein, die in 512 Fällen bestätigt wurden. Am häufigsten bestätigt wurde eine latente Tuberkuloseinfektion (n = 201) sowie Skabies (n = 172). Im Vergleich dazu gab es 15 Fälle von Hepatitis C, neun Fälle von Hepatitis B, und zwei HIV-Infektionen. 
  4. Laut BGW gab es 2017 insgesamt zehn Todesfälle infolge einer BK 3101 ( sechs Hepatitis-B-, je zwei Hepatitis-C- und Tuberkulose-Infektionen).

Klinische Bedeutung

Berufsbedingte Infektionen sind auch weiterhin ein Risiko für Ärzte, Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal. Präventive Maßnahmen reduzieren sowohl das Infektionsrisiko der Beschäftigten als auch das Risiko einer nosokomialen Übertragung auf die Patienten. Sabine Wicker rät daher unter anderem:

  • Medizinische Beschäftigte sollten Kenntnis über den eigenen Immunstatus haben und wissen, ob arbeitsmedizinisch relevante Impfungen durchgeführt wurden.
  • Medizinisches Personal sollte ein solides Wissen über arbeitsbedingte Infektionen und Prophylaxe-Maßnahmen haben. 
  • Es sollten sichere Instrumente zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen verwendet werden. 
  • Es muss auf eine konsequente Händehygiene geachtet werden. 
  • Persönliche Schutzausrüstung muss konsequent getragen werden.

Finanzierung: keine Angaben.