Berichte über Nebenwirkungen betreffen häufig Antithrombotika, Antibiotika und Psychopharmaka


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Die erste kumulative Auswertung von Spontanberichten aus der BfArM-Nebenwirkungsdatenbank  zeigt einen beständigen Anstieg der Meldung von 1978 bis heute und identifiziert therapeutische Untergruppen, die einen großen Teil zur Gesamtbelastung beitragen.

Hintergrund

Die seit 1978 bestehende Nebenwirkungsdatenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dient der Überwachung der Arzneimittelsicherheit. Trotzdem ist dies nach Auskunft der Autoren nicht nur die größte, sondern auch die erste kumulative Auswertung von Spontanberichten.

Design

Deskriptive Analyse von 345.662 Spontanberichten zu Verdachtsmeldungen über Nebenwirkungen in der Nebenwirkungsdatenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Hauptergebnisse

  • Die Zahl der Meldungen hat seit 1978 beständig zugenommen. Bis etwa ins Jahr 2000 kamen diese Meldungen fast ausschließlich von Ärzten. Während diese jedoch seit ca. 10 Jahren stagnieren, haben Meldungen durch Patienten, Apotheker und andere Gesundheitsdienstler im gleichen Zeitraum erheblich zugenommen.
  • Am häufigsten verdächtig als Ursache von Nebenwirkungen waren Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems.
  • Bezogen auf therapeutische Untergruppen wurden Antithrombotika (8,4 %, meist Thrombozytopenie), systemische Antibiotika (8,4 %, meist Durchfall) und dämpfend wirkende Psychopharmaka (7,9 %, meist Arzneimittelabhängigkeit) am häufigsten gemeldet.
  • Ärzte meldeten einen Nebenwirkungsverdacht am häufigsten für Diazepine, Fluorchinolone und Heparine, Patienten dagegen bei Interferonen, Antithrombotika und selektiven Immunsuppressiva.

Klinische Bedeutung

Haus- und Allgemeinärzte dürften sich durch diese Auswertung in ihrer Erfahrung bestätigt sehen, andere könnten von einem Blick in diese Statistiken profitieren. Von der ständigen Zunahme von Verdachtsberichten darf allerdings nicht geschlossen werden, dass Arzneimittel immer unsicherer würden. Wahrscheinlichere Ursachen sind eine erhöhte Sensibilität für die Thematik, leichtere Meldemöglichkeiten (online) und die verschärfte Meldepflicht für Unternehmen.

Finanzierung: Keine Angaben. Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.