Beobachtungsstudie: mehr Folsäure-Verordnungen, weniger Suizide

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Gegenüberstellung von Folsäure-Verschreibungen und suizidalem Verhalten bei ca. 900000 überwiegend weiblichen Patienten in den USA ergab eine inverse Korrelation. Die Risikoreduktion unter verschiedenen Voraussetzungen betrug zwischen 40 und 45 %.

Hintergrund

Mehr als 9000 Personen starben in Deutschland im letzten Berichtsjahr 2020 von eigener Hand. In den USA, wo Suizide eine der führenden Todesursachen sind, hat sich die Suizidrate zwischen dem Jahr 2000 und 2018 um 30 % erhöht. Im Vorfeld der aktuellen Arbeit hatten die Autoren eine Methode entwickelt, um die Assoziation zwischen der Einnahme der 922 meistverschriebenen Arzneien und der Häufigkeit von Suizidversuchen zu bestimmen. Überraschenderweise war Folsäure einer der Wirkstoffe, die am stärksten mit einem niedrigeren Risiko einhergingen. Dieses Signal sollte mit der aktuellen Arbeit bestätigt und näher untersucht werden.

Design

Aus den Daten von 866586 Patienten (81,30 % Frauen, 10,42 % 60 Jahre und älter) in der pharmakoepidemiologischen Datenbank MarketScan wurden jeweils individuell über 2 Jahre die Verschreibungen von Folsäure und Suizidversuche extrahiert, und die gleiche Analyse zur Kontrolle mit Vitamin B12 wiederholt.

Ergebnisse

  • Während annähernd 14 Millionen Personen-Monaten waren die Raten suizidaler Ereignisse:
    • 4,73 / 100000 Personenmonate mit einer Folsäure-Verschreibung und
    • 10,61 / 100000 Personenmonate ohne solch eine Verschreibung.
  • Nach Adjustierung für u.a. Diagnosen im Zusammenhang mit suizidalem Verhalten und Folsäuredefizienz betrug das Chancenverhältnis HR für suizidale Ereignisse unter Folsäure 0,56 (95%-Konfidenzintervall 0,48 – 0,65). Ähnlich waren die Ergebnisse, wenn eine Dosierung von 1 mg/Tag zugrunde gelegt wurde (HR 0,57; 95%-KI 0,48 – 0,69), und für Frauen im gebärfähigen Alter, denen bekanntlich zur Folsäuresupplementierung geraten wird (HR 0,60; 95%-KI 0,50 – 0,73).
  • Eine Analyse der Wirkdauer ergab – ebenfalls für die Dosierung von 1 mg / Tag – eine Reduktion suizidaler Ereignisse von 5 % für jeden Monat der Behandlung (HR 0,95; 95%-KI 0,93 – 0,97).

Klinische Bedeutung

Angesichts gleichbleibender Ergebnisse trotz multipler Adjustierungen ist ein Zufallsbefund unwahrscheinlich. Die Autoren urteilen daher, die Assoziation der Einnahme von Folsäure mit niedrigeren Raten von Selbstmord-Versuchen rechtfertigten die Durchführung einer randomisierten klinischen Studie mit suizidalen Gedanken und Verhalten als Endpunkten.

Finanzierung: National Institutes of Health, Agency for Healthcare Research and Quality, Department of Veterans Affairs.