Beim fortgeschrittenen, BRCA+ Brustkrebs profitieren Frauen von dem PARP-Inhibitor Talazoparib


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Frauen Bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und BRCA1/2 Mutationen im Erbgut wurden mit dem PARP-Inhibitor Talazoparib doppelt so hohe Ansprechraten und ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben erreicht, als mit einer Standard-Chemotherapie.

Hintergrund

Etwa 5 Prozent aller Brustkrebserkrankungen gehen auf Mutationen in den beiden Suszeptibilitätsgenen BRCA1 und BRCA2 zurück. Den Zellen geht dadurch die Fähigkeit verloren, Doppelstrangbrüche in der Erbsubstanz zu reparieren, sodass die Tumoren auf einen anderen Reparaturweg ausweichen müssen, der von dem Enzym PARP (Poly[Adenosin-Diphosphat-Ribose] Polymerase) reguliert wird. In den letzten Jahren wurden spezifische PARP-Inhibitoren wie das hier getestete Talazoparib entwickelt, die mutierte Zellen durch die Akkumulation irreparabler Schäden an der Erbsubstanz abtöten können.

Design

Randomisierte, unverblindete Studie der Phase 3, bei der 431 Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und BRCA1/2-Mutationen im Verhältnis 2:1 entweder Talazoparib in einer Dosierung von 1 mg täglich bekamen, oder eine Standardtherapie mit einem einzigen Agens nach Wahl des behandelnden Arztes (Capecitabin, Eribulin, Gemcitabin oder Vinorelbin in kontinuierlichen Zyklen von 21 Tagen). Der mediane Follow-Up betrug 11,2 Monate.

Hauptergebnisse

  • Beim primären Endpunkt der Studie, dem progressionsfreien Überleben, war Talazoparib mit einer medianen Dauer von 8,6 Monaten den anderen Substanzen (5,6 Monate) signifikant überlegen. Das Chancenverhältnis HZ für die Krankheitsprogression betrug 0,54 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,41 – 071 (P
  • In einer Zwischenauswertung war das Risiko, unter Talazoparib zu versterben geringer (HR 0,76), mit einem KI von 0,55 bis 1,06 war der Unterschied aber nicht signifikant.
  • Die objektiven Ansprechraten betrugen 62,6 % versus 27,2 % zugunsten von Talazoparib (OR 5,0; P
  • Hämatologische Nebenwirkungen der Schweregrade 3 und 4 erlitten 55 % der Patientinnen unter Talazoparib – ein deutlich größerer Anteil als mit den Vergleichsmedikationen (38 %). Dennoch schien Talazoparib insgesamt besser verträglich, wie der Anteil von 5,9 % versus 8,7 % Studienabbrüchen unter den beiden Therapien zeigt.
  • Bei der Lebensqualität (gemessen mit dem EORTC QLQ-C30) zeigte sich mit Talazoparib eine Verbesserung um 3,0 Punkte gegenüber einer Verschlechterung von 5,4 Punkten in der vergleichsgruppe

Klinische Bedeutung

Die Überlebensdaten aus dieser Studie (EMBRACA) sind noch vorläufig, aber vielversprechend. Für einen anderen PARP-Inhibitor (Olaparib), war bereits im Vorjahr in der OlympiAD-Studie mit weniger kranken Patientinnen ebenfalls ein verlängertes progressionsfreies Überleben berichtet worden; auch dies unterstreicht das Potenzial der PARP-Inhibitoren bei Tumoren mit BRCA1/2-Mutationen oder einer ähnlichen Biologie. Gleichzeitig üben die Autoren sich in Bescheidenheit: „Wir heben hier eine Verbesserung beim PFS von nur 3 Monaten hervor. Wir brauchen viel mehr Fortschritte.“

Finanzierung: Medivation [Pfizer].