Bei Studiendesign und -Auswertung sind Vertreter der industriellen Sponsoren fast immer mit dabei


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Bei den meisten Studien, die von Pharmafirmen bezahlt und in angesehen Fachjournalen veröffentlicht wurden, waren die Sponsoren in allen Phasen und allen Aspekten der Studien beteiligt. Den akademischen Autoren scheint dies wenig auszumachen.

Hintergrund

Dass klinische Studien von Pharmafirmen bezahlt werden, die ein kommerzielles Interesse am Ergebnis haben, ist eher die Regel als die Ausnahme. Allerdings sind die Einzelheiten der Zusammenarbeit zwischen Investigatoren und Sponsoren unterschiedlich geregelt, und es wurde bisher noch nicht systematisch untersucht, wie unabhängig die Autoren in den verschiedenen Studienphasen sind.

Design

Analyse der Veröffentlichungen und Befragung der Studienautoren für die jüngsten 200 Studien der Phase 3 oder 4 zu Impfstoffen, Medikamenten oder medizinischen Geräten, die in den 7 Top-Journalen (New England Journal of Medicine, Lancet, JAMA, BMJ, Annals of Internal Medicine, JAMA Internal Medicine und PLoS Medicine) erschienen sind und vollständig von der Industrie finanziert wurden.

Hauptergebnisse

  • Angestellte des industriellen Finanziers waren als Co-Autoren an 173 Publikationen beteiligt (87 %).
  • Bei 183 (92 %) der Studien waren die Sponsoren am Design beteiligt, bei 167 (84 %) auch die akademischen Autoren.
  • Bei der Analyse der Daten waren Industrievertreter in 146 Studien (73 %) involviert, die Akademiker bei 79 (40 %).
  • Beim Erstellen der Publikationen waren die Sponsoren in 87 % aller Fälle beteiligt, die Akademiker bei 99 %. Beim Schreiben von 62 % aller Veröffentlichungen waren externe Auftragsnehmer involviert.
  • Von den 80 Erstautoren, die auf die Befragung geantwortet hatten, berichteten 29 (33 %), dass die Akademiker beim Studiendesign das letzte Wort hatten. Zehn sagten, dass ein nicht benannter Sponsor oder eine externe Organisation bei der Analyse und der Präsentation der Daten beteiligt war.

Klinische Bedeutung

Eine Rücklaufquote von nur 40 % bei den akademischen Erstautoren birgt zwar die Gefahr von Verzerrungen, dennoch liefert die aktuelle Arbeit neue Einblicke und eine statistische Auswertung zur Kollaboration von industriellen Sponsoren und akademischen Autoren bei der Konzeption und Auswertung klinischer Studien. Trotz klarer Einflussnahme bewerteten die Akademiker mit 3 Ausnahmen (4 %) die Zusammenarbeit als positiv, nur 9 (11 %) berichteten von Meinungsverschiedenheiten mit dem Sponsor, meist beim Studiendesign und der Publikation.

Finanzierung: Keine externe Finanzierung.