Bei schweren Blutungen schützt frühe Therapie mit Tranexamsäure vor dem Tod


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Das Antifibrinolytikum Tranexamsäure schützt früheren Studien zu Folge Patienten mit Hämorrhagien vor dem Verbluten. In einer Metaanalyse auf Basis der Daten von mehr als 40.000 Patienten ist die Zeitabhängigkeit des Therapieeffekts untersucht worden (1).

Kernbotschaften

Tranexamsäure reduziert bei schweren akuten Hämorrhagien durch Traumata oder nach Entbindung das Risiko zu verbluten dann am effektivsten, wenn es maximal eine Stunde nach Beginn der Blutung infundiert wird. Verzögerungen vermindern den protektiven Effekt.

Hauptergebnisse

Die Daten von 40.138 Patienten aus zwei internationalen, prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Studien wurden analysiert: die der CRASH-2-Studie (2) zu Effektivität und Sicherheit von Tranexamsäure bei Traumaopfern mit schweren Blutungen und die der WOMEN-Studie (3) mit Frauen, die schwere Blutungen nach Entbindung hatten.

Es gab 3.558 Todesfälle, davon 1.408 blutungsbedingt (40%). Tranexamsäure verminderte das Risiko, an Blutungen zu sterben, signifikant (Odds Ratio 1,20 für Tod durch Verbluten Placebo vs. Verum). Eine zeitnahe Infusion des Antifibrinolytikums maximal 1 Stunde nach Blutungsbeginn erhöhte die Chance, nicht zu verbluten, um 70 % gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,72).

Der Überlebensvorteil reduzierte sich um 10 % für jede Viertelstunde Verzögerung. Bei Gabe von Tranexamsäure drei Stunden nach Blutungsbeginn oder später waren die Unterschiede nicht mehr signifikant. Ein erhöhtes Risiko für klinisch relevante Gefäßverschlüsse durch Tranexamsäure wurde nicht beobachtet.

Design

  • Metaanalyse mit Datenbasis von
  • 20.127 Schwerverletzten aus der CRASH-2-Studie mit starkem Blutverlust und
  • 20.011 Frauen aus der WOMEN Trial Studie mit geschätztem Blutverlust von > 500 mL.

Das Setting in beiden prospektiven, placebokontrollierten Studien war, dass Patienten dann randomisiert wurden, wenn der medizinische Nutzen einer Behandlung mit Tranexamsäure unklar war und die Ärzte erhebliche Schwierigkeiten hatten, sich zu entscheiden.

Klinische Bedeutung

Patienten mit akuten schweren Blutungen sollten nach Blutungsbeginn so bald wie möglich Tranexamsäure erhalten, resümieren die Autoren: Traumapatienten noch am Unfallort, Frauen postpartal direkt nach Diagnose schwerer Blutungen. Würden die Möglichkeiten verbessert, die Effektivität der Blutgerinnung schnell und sicher zu bestimmen, zum Beispiel durch Thromboelastographie, könnte die Anwendung des Antifibrinolytikums künftig auch spezifizischer werdenelfen.

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