Bei Rückenschmerzen lohnt der zusätzliche Aufwand für die Patientenedukation wohl kaum


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zwei Stunden intensiver Beratung bzw. Aufklärung von Rückenschmerzpatienten, unter anderem über biopsychosoziale Komponenten und Methoden des Selbstmanagements bei dieser Krankheit hatten keinen signifikanten Effekt auf die Schmerzlinderung und keinen klinisch bedeutsamen Effekt auf das Ausmaß der Behinderung.

Hintergrund

Mit einfachen Maßnahmen gegen akute Rückenschmerzen wie Aufklärung / Patientenschulung sowie nicht steroidalen Antiphlogistica erholen sich etwa 85 % der erwachsenen Patienten binnen 3 Monaten. Unklar ist, ob eine Intensivierung edukativer Maßnahmen zusätzlich zur Firstline-Therapie das Behandlungsergebnis verbessert.

Design

Randomisierte, Placebo-kontrollierte klinische Studie mit 202 Teilnehmern im mittleren Alter von 45 Jahre, die in Sydney (Australien) in Hausarzt- und Physiotherapiepraxen sowie einem Forschungszentrum aus ursprünglich 618 Kandidaten rekrutiert wurden. Die verbleibenden Teilnehmer hatten seit weniger als 6 Wochen akute lumbale Rückenschmerzen ohne Radikulopathie und gemäß dem Vorhersage-Werkzeug PICKUP (Predicting the Inception of Chronic Pain) eine hohe Wahrscheinlichkeit, zu chronifizieren. Die Interventionsmaßnahme bestand aus 2 einstündigen Sitzungen mit entweder spezifischen Informationen zum Schmerz, dessen biopsychosozialen Komponenten und Methoden des Selbstmanagements oder einer „Placebo-Edukation“ mit aktivem Zuhören, aber ohne Informationen oder Ratschlägen.

Hauptergebnisse

  • Beim primären Studienziel, der Schmerzintensität, verbesserten sich die Patienten auf einer 11-Punkte-Skala zwar ständig, jedoch ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen von anfänglich 4,0 auf
    • 3,2 (Intervention) bzw 3,1 (Placebo) nach einer Woche. P = 0,69
    • 2,1 bzw. 2,4 nach 3 Monaten. P = 0,31
    • 2,3 bzw. 2,5 nach 6 Monaten. P = 0,59
    • 1,8 bzw. 2,5 nach 12 Monaten. P = 0,07
  • Kleine, aber signifikante Effekte zugunsten der intensiven Patientenedukation gab es lediglich beim sekundären Studienziel der Behinderung, und auch da nur nach 1 Woche und 3 Monaten, nicht aber nach 6 und nach 12 Monaten.

Klinische Bedeutung

Zwei Stunden einer spezifischen Patientedukation zusätzlich zur Primärversorgung gemäß aktuellen Empfehlungen konnten die Schmerzen dieser Patienten nicht verbessern, berichten die Autoren. Die kurzfristigen Verbesserungen bei den Behinderungen waren zwar signifikant, aber nicht klinisch bedeutsam, fügen sie in der Diskussion ihres Artikels hinzu. Der weit verbreite Glaube, dass die Edukation der Rückenschmerzpatienten eine effektive Strategie sei, wird damit in Frage gestellt.

Finanzierung: Australian National Health and Medical Research Council.